Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Variationen am Bach
Nachrichten Kultur Variationen am Bach
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:58 02.05.2015
Von Stefan Arndt
Brücken bauen: Tänzer zwischen Krieg und Frieden. Quelle: Ammerpohl
Anzeige

Es ist nicht ganz leicht, diese Musik zu übertönen. Weder mit Bildern noch mit Tönen. Immerhin sind es einige der bekanntesten Werke von Johann Sebastian Bach, die der israelische Choreograf Rami Be’er in das Zentrum seines neuen Stücks „Lullaby for Bach“ gestellt hat, das nun von Be’ers Kibbutz Contemporary Dance Company bei Movimentos in der Wolfsburger Autostadt uraufgeführt wurde.

Der Abend beginnt und schließt mit der „Aria“ aus den „Goldberg-Variationen“, doch in die ruhig pulsierenden Klänge der barocken Variationsreihe mischen sich bald noch andere Töne als das Brummen, das der Pianist Glenn Gould beim Einspielen der Aufnahme  von sich gegeben hat. Man hört zusätzlich vage Beunruhigendes, bedrohliches Scheuern und das aggressive Flappen von Rotorblättern. Es ist der Lärm einer abstrakten Schlacht, der hier in Bachs intime Nachtmusik eindringt.

Anzeige

Damit kann man die Pole der Choreografie schon hören, bevor die Tänzer die imposante Bühne im VW-Kraftwerk überhaupt betreten haben. Bald werden sie Zweikämpfe austragen und wie Soldaten an der Rampe aufmarschieren. Dann wieder gibt es Raum für die zarte Annäherung eines Paares oder die purzelnde Fröhlichkeit zweier beflügelter Putten. Von Bach-Stück zu Bach-Stück entfalten sich neue Szenen zwischen den beiden dunklen Kletterwänden, die die einzigen Aufbauten auf der sonst kahlen Bühne ausmachen.

Um Zusammenhänge, um eine klar erzählende Struktur kümmert Be’er sich dabei kaum. Er scheint eher dem Prinzip der Bach’schen Musik zu folgen. Krieg und Frieden werden hier wie musikalische Themen in immer neuen Gewändern und Gewichtungen kombiniert. Dazu passt auch der sonst rätselhafte Umgang mit Zitaten: Neben Engeln haben auch Herrscher und Könige längst vergangener Zeiten ihre Auftritte. In diesen choreografischen Variationen haben mal Kampfszenen oder die ängstliche Stimmung wie vor einem Angriff die Oberhand, dann wieder wirbeln die Tänzer ausgelassen und fröhlich über die Szene. Es spricht für die Virtuosität und Flexibilität des Ensembles, dass alle Tänzer, egal ob als Solisten oder als Teil einer Gruppe, binnen Sekunden Ausdruck und Bewegungsform verändern können.

Diese Vielfalt erweist sich im Verlauf des Abends allerdings auch als Nachteil. Von dem beeindruckend klaren Soundtrack der oft verfremdeten Bach-Werke können sich die rätselhaften Bilder kaum emanzipieren.
Vom 6. bis zum 9. Mai sind Les Ballets de Monte-Carlo bei Movimentos zu Gast, Kartentelefon: (08 00) 2 88 67 82 38.

Ronald Meyer-Arlt 02.05.2015
Kultur Letztes Unheilig-Konzert in Hannover - Zeit zu geh'n
04.05.2015
Kultur Ausstellung „AG & CO“ - Die Kunst der Fuge
Daniel Alexander Schacht 01.05.2015