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Kultur Die „KinoSchule Hannover“: Sehen lernen!
Nachrichten Kultur Die „KinoSchule Hannover“: Sehen lernen!
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20:09 25.08.2009
Von Stefan Stosch
Kinolehrer: Ralf Knobloch (links) und Sigurd Hermes. Quelle: Frank Wilde
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Das Kino ausgebucht bis auf den letzten Platz mit Schülern von der Hauptschule bis zum Gymnasium, dazu eine leibhaftige Filmemacherin, die Rede und Antwort steht: So präsentierte sich gestern Vormittag die „KinoSchule Hannover“ im Künstlerhaus in der Sophienstraße. Regisseurin Katrin Seybold sprach mit Zuschauern von der neunten bis zur elften Klasse über ihre Dokumentation „Die Widerständigen – Zeugen der Weißen Rose“. Darin erzählen Zeitzeugen von der Münchener Widerstandsgruppe um die Geschwister Scholl – und „zwar so lebendig, dass Jugendliche den heute 70- oder 80-Jährigen eineinhalb Kinostunden lang zuhören mögen“, so Seybold.

Seit fünf Jahren bietet das KoKi zusammen mit dem Medienzentrum der Region Hannover Programme speziell für Schüler an. Rund zwei Drittel der Schüler reisen aus der Stadt Hannover an, ein Drittel aus dem Umland. 276 Klassen waren bislang zu Gast. Demnächst wird der 10.000. Schüler im Künstlerhaus erwartet. Das Besondere dabei: Die Filme werden vor- und nachbereitet, Fortbildungen, Workshops und Unterrichtsmaterialien für Schüler und Lehrer angeboten.

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„Es geht darum, das Kino als kulturellen Ort wahrzunehmen“, so KoKi-Chef Sigurd Hermes und Ralf Knobloch vom Medienzentrum. In den immer enger getakteten Lehrplänen werde dem Film, dem „Leitmedium unserer Zeit“, oftmals zu wenig Beachtung geschenkt – und wenn das Kino doch auftauche, dann oftmals nur, um andere Unterrichtsinhalte zu illustrieren. Ziel ist es, Kino als diejenige Kunstform zu begreifen, die unsere Wahrnehmung von der Welt entscheidend präge.

„Es ist einfach nicht das Gleiche, ob ich eine DVD im Klassenzimmer in den Recorder schiebe oder ob ich mir zusammen mit 160 anderen im dunklen Saal einen Film anschaue“, so Hermes. Bei der zunehmenden Konkurrenz der (digitalen) Medien sei es wichtig, durch das „Gemeinschaftserlebnis“ Nachwuchs fürs Kino zu gewinnen.

Vor fünf Jahren war nach Knoblochs Worten noch echte Pionierarbeit bei der „KinoSchule“ zu leisten. Heute spiele sie bis hin zur Vorbereitung aufs Zentralabitur eine Rolle. Kinoklassiker allerdings müssten Lehrern noch immer besonders ans Herz gelegt werden. Pro Monat wird im Künstlerhaus eine Woche lang vormittags Schulkino angeboten. Ästhetische wie gesellschaftliche Themen können dabei gleichermaßen behandelt werden.

Auf dem Programm fürs nächste Halbjahr stehen so unterschiedliche Werke wie „Prinzessinnenbad“ über das Leben Jugendlicher in Berlin, „True North“ über Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa, Tom Tykwers „Lola rennt“ mit Franka Potente oder auch Roland Emmerichs Klimawandel-Thriller „The Day after Tomorrow“. Und auch Grundschüler sind willkommen: Aktuell wird „Mondscheinkinder“ (Regie: Manuela Stacke) angeboten, ein Film über Sterben, Tod und Krankheit.

Information und Anmeldung unter www.kinoschule-hannover.de im Internet.