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Kultur Die Oscar-Verleihung: Ein Überblick
Nachrichten Kultur Die Oscar-Verleihung: Ein Überblick
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06:12 08.03.2010
Von Stefan Stosch
Bereit zur Vergabe: die Oscar-Trophäen.
Bereit zur Vergabe: die Oscar-Trophäen. Quelle: ap
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Die deutsche Kinobranche ist schon in Feierlaune, bevor drüben im Kodak Theatre in Los Angeles die Oscar-Moderatoren Steve Martin und Alec Baldwin den ersten Witz gerissen haben. Nach der Papierform kann man die Euphorie kurz vor der 82. Oscar-Gala gar nicht recht begreifen. Nur in einer Kategorie sind die Chancen aus deutscher Sicht blendend: Michael Haneke werden mit seinem Drama „Das weiße Band“ bei den Auslands-Oscars beste Chancen eingeräumt, noch dazu hat es auch sein Kameramann Christian Berger in die Endrunde geschafft.

Das klingt nicht gerade nach einer phänomenalen Ausbeute – doch wird hierzulande anders gerechnet: Auch „Ein russischer Sommer“ gilt beispielsweise als quasideutsche Produktion. Der Film über Tolstois letzte Tage wurde in ostdeutschen Landen gedreht, viel deutsches Geld steckt drin. Die nominierten Darsteller Helen Mirren und Christopher Plummer würden irgendwie auch für Deutschland siegen.

Selbst auf Quentin Tarantinos Weltkriegsmärchen „Inglourious Basterds“ steht das Siegel „Made in Germany“. Der Film entstand zu großen Teilen im Studio Babelsberg, das schon seit einigen Jahren Hollywood-Großproduktionen magisch anzieht – was niemanden verwundern sollte: Schließlich werden die internationalen Werke großzügig aus dem Fördertopf der Bundesregierung bezuschusst, weil die Teams umgekehrt beim Drehen viel Geld in der Region lassen.

Am 20. August startet Quentin Tarantinos neuer Film „Inglourious Basterds“ in den deutschen Kinos.

Tarantinos waghalsige Geschichtsfälschung, bei der Hitler in einem Kino verbrennt, ist gleich für acht Oscars nominiert. Zumindest einer der Kandidaten aus seinem Team ist gewiss schon mit dem Einstudieren seiner Rede beschäftigt: Christoph Waltz als diabolisch-charmanter Judenjäger Hans Landa gilt als heißer Favorit. An ihm kommen die Akademiemitglieder kaum vorbei. Aus deutscher Sicht gibt es dabei ein klitzekleines Problem: Waltz ist Österreicher.

Aus Hollywood-Perspektive macht das sicher keinen großen Unterschied, von dieser Seite des Atlantiks schon – zumal Haneke, wenn auch in München geboren, ebenso Staatsbürger des Nachbarlandes ist. Die Österreicher reagierten verschnupft, als die deutschen Koproduzenten schneller waren beim Einreichen der Oscar-Bewerbungsunterlagen für „Das weiße Band“.

Haneke darf sich auch deshalb Hoffnungen machen, weil sich sein Film als Vorgeschichte des Faschismus interpretieren lässt. Die Amerikaner stehen auf Filme, die auch nur entfernt mit dem Nationalsozialismus zu tun haben – siehe den Oscar-Sieg von Caroline Links „Nirgendwo ist Afrika“ von 2003.

In „Das weiße Band“ erzählt ein Dorfschullehrer rückblickend von brutalen Geschehnissen in einem norddeutschen Dorf kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges. Seltsame Unfälle geschehen, Kinder werden regelrecht gefoltert. Der aus pervertierten ­religiösen Überzeugungen entstandene Druck, der auf den Kindern im Dorf lastet, scheint sich ein Ventil zu suchen. Und wenn man dann ins Jahr 1933 vorausschaut, sind die Kinder zu gesellschaftlichen Entscheidungsträgern herangewachsen.

Haneke, Waltz, Produzentengeld: Rechnet man all diese Nominierungen zusammen, dann bewegen sich die deutschen Oscar-Chancen im zweistelligen Bereich. Und ein Kandidat ist noch gar nicht genannt: Routinier Hans Zimmer ist für seine Musik für „Sherlock Holmes“ nominiert. Doch lebt Zimmer schon so lange in den USA, dass er in deutschen Hochrechnungen kaum mehr auftaucht.

An Zimmer wird aber auch deutlich, dass der Sinn von Länder-Rankings begrenzt ist. Eine Oscar-Gala ist nun mal keine Weltmeisterschaft, bei der Sportler in Landesfarben auflaufen. Hier geht’s zuerst um individuelle Leistungen, nicht um natio­nale.

Für alle, die live beim Oscar dabei sein wollen: Der Oscar-Countdown auf PRO7 beginnt um 1 Uhr in der Nacht zum Montag. Die Preisverleihung wird ab 2 Uhr aus Los Angeles übertragen. Gala-Ende ist gegen 5.30 Uhr morgens.

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