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Kultur Die „Päpstin" zu Gast in Hameln
Nachrichten Kultur Die „Päpstin" zu Gast in Hameln
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06:15 22.08.2012
Von Uwe Janssen
Am Sonntag feierte das Musical „Die Päpstin“ in Hameln Premiere. Quelle: Spotlight Musicalproduktion GmbH
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Hameln

In Fulda waren die Kirchenvertreter arg verschnupft. Ein Stück über eine Päpstin, korrupte Zustände am Hof des Heiligen Vaters – als Musical mit tanzenden Mönchen und Nonnen. Das war den katholischen Würdenträgern in der Bischofsstadt zu viel. Bischof Heinz Josef Algermissen hatte sich sogar zu der Bemerkung hinreißen lassen, die Vorlage der US-Autorin Donna W. Cross sei ein „saudummer literarischer Stoff“. Am Sonntag hatte das Stück in Hameln Premiere – und wurde widerspruchslos gefeiert.

Das Stück ist als eine Art Leihgabe Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 1200-jährigen Jubiläum des Münsters St. Bonifatius. Beide Ereignisse fallen ungefähr in die gleiche Zeit, nur dass die Existenz eines weiblichen Papstes nicht historisch belegbar ist. Die Musicalfassung von Dennis Martin, 2011 in Fulda uraufgeführt, hält sich in der Szenenfolge im Wesentlichen an Sönke Wortmanns Filmfassung (2009). Was bedeutet, dass es eine Menge abzuarbeiten gilt, denn das Mädchen Johanna aus Ingelheim erlebt im 9. Jahrhundert einiges, bevor sie nach Rom kommt. Sie hat eine harte Kindheit unter ihrem unbarmherzigen Vater, einem Dorfpriester, der lieber einen Sohn gehabt hätte und sie fortan als vom Teufel geschicktes „Wechselbalg“ beschimpft.

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Doch Johanna ist klug und wissbegierig, schaut sich beim Unterricht ihres Bruders Lesen und Schreiben ab – und wird von Lehrer Aesculapius gegen den Willen ihres Vaters an die Domschule zu Dorstadt geholt. Sie ist besser als ihr Bruder, besser als alle. Jahre später verliebt sie sich in den Edelmann Gerold, bei dessen Familie sie wohnt. Als er in den Krieg zieht, versucht sich seine Frau der jungen Nebenbuhlerin zu entledigen, indem sie sie zwangsverheiratet. Doch zuvor fallen die Normannen ein. Johanna überlebt das Gemetzel, nimmt die Identität ihres Bruders an und zieht ins Kloster Fulda.

Dort macht sie sich als Ärztin einen Namen. Als ihre Identität aufzufliegen droht, macht sie sich auf den Weg nach Rom. Prompt wird sie an den Hof von Papst Sergius gerufen, den sie von der Gicht heilt und der sie zur Vertrauten macht. Später bestimmt das Volk „Johannes“ auf dem Thron, und so wird Johanna schließlich zur Päpstin gekrönt. Die Geschichte ist historisch nicht haltbar, wenngleich es in jener Zeit, einer Zeit schwacher Päpste, Mätressenherrschaft, sogenannte Pornokratie, in Rom gegeben haben soll. Diese Geschichte will vor allem unterhalten, mit Tempo, Spannung und Herzschmerz. Das klappt, weil sich in Hameln ein eingespieltes Team präsentiert.

Denn es ist vor allem eine logistische Mannschaftsleistung, die alle Beteiligten auf und hinter der Bühne vollbringen. Im Theater Hameln zeigt sich, wie phantasievoll und effektiv man bei einem Gastspiel mit einer runden Drehbühne arbeiten und im Minutentakt neue Schauplätze schaffen kann. Dass die Kostümschau üppig bunt ist, versteht sich bei dem Thema von selbst. Sabrina Weckerlin gibt die (erwachsene) Johanna mit gebührender Zerrissenheit. Aber gesungen und getanzt wird ausnahmslos gut, irgendwo zwischen „Sister Act“ und allem von Lloyd-Webber. Bei der Premiere hatte das Publikum auch nach gut drei Stunden noch Energie für Ovationen im Stehen und frenetischen Applaus.

Bis zum 16. September. Infos: www.paepstin-hameln.de und 05151-957818.

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