Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Bart in der Menge
Nachrichten Kultur Bart in der Menge
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:59 01.08.2014
Von Uwe Janssen
Kostümfest mit Teekanne: Madame Pottine, Lumière, Biest und Schöne.
Anzeige
Hannover

Kreatur zu sein, ist im Unterhaltungsgeschäft ein cooler Job. Der Ruf ist eh versaut, man steht mit dem Rücken zur Wand und hat nichts zu verlieren. Es kann eigentlich nur aufwärts gehen. Und wenn es richtig gut läuft, interessieren sich sogar schöne Frauen, denen schöne Männer zu langweilig sind, für einen. King Kong ist so einer oder Alf, mit Abstrichen. Das Biest nimmt in dieser Reihe eine Sonderrolle ein, nicht nur wegen seiner Namenlosigkeit, sondern auch, weil es eigentlich ein verzauberter Prinz ist. Bis die Schöne das erfährt, dauert es ein ganzes Musical lang. Gut so, denn mit diesem Schönling, in den sich das Biest am Ende zurückverwandelt, wäre es viel langweiliger als mit dem depressiven Zottel. Das Märchen von der Schönen und dem Biest ist tausendfach erzählt. Aber es lockt weiter. Gerade in die hannoversche Staatsoper, wo bis zum 10. August das Budapester Operetten- und Musicaltheater mit einer deutschsprachigen Version die Sommerpause überbrücken hilft.

Bei der Premiere im gut gefüllten, aber wohl wetterbedingt längst nicht ausverkauften Opernhaus fremdelt das Publikum anfangs kräftig mit dem Stück. Mikrofonierte Darsteller mit mehr oder weniger starkem Akzent kämpfen in großen, lauten Dorfszenen gegen das Orchester an, auf der Bühne wird viel gejuchzt, im Saal wenig verstanden. In der ersten halben Stunde hat man eher das Gefühl, eine Probe von „Klimbim“ zu sehen. Erst als das Überdrehte weicht und sich das Geschehen auf klare Dialoge konzentriert, holt das Stück seine Zuschauer ab. Man lernt die schöne Belle (Kitti Jenes) kennen und Gaston, der ihr aufdringlich den Hof macht. Im Schloss, in das sich Belles Vater Maurice verirrt, grummelt das Biest, früher vielleicht mal furchterregend, heute würde die Maske in Berliner Hipster-Kneipen kaum auffallen. Schauspieler Sándor Barkóczy macht seine Sache gut, und die ebenfalls verwunschene Dienerschaft entwickelt eine gewisse Komik.

Anzeige

Von Anfang an gut in Form ist das Bühnenbild, mit einer in sich vielfach verschiebbaren Drehbühne und mitunter spektakulärem Licht können im Nu schicke, zweietagige Schlossansichten geschaffen und im Hintergrund neugestaltet und umgebaut werden. Dazu kommen aufwendige Kostüme, vor allem für die an die Disney-Filmversion angelehnten Haushaltsgegenstände wie Uhr, Kerzenhalter und Kommode. So schön hat man Messer, Gabel und Löffel noch nie tanzen sehen.

So schafft das Ensemble kurz vor der Pause mit der aufwendigen Revuenummer „Sei hier Gast“, das Publikum zu knacken. Nach der Pause knackt dann Belle das Biest, nachdem sie als Austauschgefangene für ihren Vater ins Schloss gegangen ist. Sie erobert das Herz der Kreatur und kommt hinter ihr Geheimnis, eine welkende Rose. Kurz bevor das letzte Blatt fällt, was eine Rückverwandlung unmöglich machen würde, gesteht Belle ihre Liebe. So wird aus dem hässlichen, vielschichtigen Biest ein schöner langweiliger Prinz. Belle ist flexibel, sie nimmt ihn trotzdem. Das gut aufgelegte Orchester gibt im Finale noch mal alles, und im Saal bejubeln die Gäste eine Energieleistung des gesamten Ensembles.

Bis 10. August, jeweils 19.30 Uhr. Karten gibt’s in allen HAZ-Ticketshops.

01.08.2014
Kultur Ausstellung „1914“ in Braunschweig - Granatsplitter zu Brieföffnern
Simon Benne 01.08.2014
Kultur „The Forbidden Zone“ - Zwischen den Welten
31.07.2014