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Kultur Die Science Busters kommen mit Witz und Wissenschaft nach Hannover
Nachrichten Kultur Die Science Busters kommen mit Witz und Wissenschaft nach Hannover
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11:06 05.11.2010
Von Ronald Meyer-Arlt
Am 16. November präsentieren die Science Busters im Pavillon in Hannover ihr Bühnenprogramm.
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Herr Professor Oberhummer, am 16. November gastieren Sie mit den Science Busters in Hannover. Werden Sie bei Ihrem Auftritt im Pavillon denn auch eine thermonukleare Kofferbombe bauen?

Nein, in diesem Fall werden wir keine thermonukleare Kofferbombe bauen. Wir haben ja 28 verschiedene Programme, und wir können nicht überall alle Experimente vorführen.

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Was wird denn das spektakulärste Experiment der Science Busters in Hannover sein?

Die kompliziertesten Experimente können wir leider nicht auf unsere Deutschlandtournee mitnehmen. Aber auf jeden Fall werden wir einen hochenergetischen Laserpointer dabeihaben, mit dem wir Ballons zum Platzen bringen, wir werden eine leuchtende Gurke zeigen, und ich werde mir einen homöopathischen Vollrausch genehmigen.

So einen Vollrausch beschreiben Sie auch in Ihrem gerade erschienenen Buch: Man verdünnt Alkohol so lange, bis nichts mehr davon übrigbleibt.

Und das werde ich dann trinken. Der Vorteil ist, dass man nach solch einem Vollrausch noch mit dem Auto nach Hause fahren kann. Wir führen das vor, um zu zeigen, wie absurd die Homöopathie ist, an die ja immer noch viele Menschen glauben.

Sie sind der Aufklärung verpflichtet. Das neue Buch der Science Busters heißt „Wer nichts weiß, muss alles glauben“. Aber: Woran glauben Sie eigentlich?

Ich glaube an gar nichts. Ich will wissen. Und es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen Wissen und Glauben. Wissen ist eine Methode, die ununterbrochen nachgeprüft und verbessert wird. Der Glaube dagegen ist etwas Fundamentales und bleibt immer gleich. Die Naturwissenschaften sind heute ­anders als vor zehn Jahren, und sie werden in zehn Jahren anders sein. Der berühmte Chirurg Ferdinand Sauerbruch würde heute im ersten Praktikum auf der Uni durchfallen. So sehr hat sich ­alles verändert. Die Homöopathie aber wird heute noch genauso betrieben wie vor 150 Jahren. Man lernt nichts dazu.

Das Motto der Science Busters lautet: „Topwissenschaft und Spitzenhumor müssen keine Feinde sein!“ Sind bei Ihnen die Wissenschaftler im Team für die Wissenschaft und der Kabarettist für die Komik zuständig?

Das Besondere bei uns ist, dass wir alles zusammen machen. Wir haben in den drei Jahren auch viel voneinander gelernt. Die Wissenschaftler haben gelernt, wie man naturwissenschaftliche Erkenntnisse spannend rüberbringt, und der Kabarettist hat sich wissenschaftlich fortgebildet.

Gefällt es Ihnen auf der Kabarettbühne besser als früher im Hörsaal?

Es ist eine vollständig andere Welt. Früher habe ich viele Vorlesungen gehalten. Einen Fachvortrag für eine wissenschaftliche Konferenz, den kann ich aus dem Stegreif halten, aber für eine Publikumsvorstellung muss man die Fakten in Bilder übersetzen, die die Leute auch verstehen. Das macht viel mehr Arbeit. Außerdem: Bei meinen Vorlesungen war ich nie aufgeregt. Jetzt aber habe ich tatsächlich Lampenfieber.

Verdienen Sie jetzt im Wissenschafts­kabarett mehr als früher im Wissenschaftsbetrieb?

Ehrlich gesagt: Ich verdiene jetzt mehr. Das hätte ich nie im Leben gedacht.

In Österreich sind Sie seit Jahren sehr erfolgreich. Sind die Österreicher wissbegieriger als die Deutschen?

Nein, das ist überall gleich. Die Leute sind ja im Grunde sehr an Naturwissenschaft interessiert. Oft aber wird an der Schule viel zerstört. Wir versuchen, wieder Lust auf Naturwissenschaft zu machen. Neulich kam ein Zuschauer nach der Vorstellung zu mir und sagte: „Ich hätte nie gedacht, dass ich für eine Physikstunde freiwillig Eintritt zahle.“ Da habe ich mir gedacht: Na ja, da haben wir ja wohl doch was richtig gemacht.

Schwarzer Humor ist ein Markenzeichen der Science Busters. Wenn Sie vom Sterben schreiben, heißt das in Ihrem Buch „Sich zwanglos wieder in den Kohlenstoffkreislauf eingliedern“. Wo sind für Sie eigentlich die Grenzen?

Für mich gibt es keine Grenzen, wenn das, was wir sagen, der Wahrheit entspricht. Man kann den Leuten die Wahrheit zutrauen. Wir lügen nicht – anders als viele Esoteriker, die Homöopathie oder belebtes Wasser anbieten. Die wissen oft ganz genau, dass das Humbug ist.

Was wird Ihrer Meinung nach die nächste große Überraschung sein, die uns die Naturwissenschaften zu bieten haben?

Es wird sicher einen großen Sprung geben, was unsere Ansicht des Universums betrifft. Aus vielen Beobachtungen zeigt sich, dass es die sogenannte dunkle Materie und die dunkle Energie gibt. Und wir haben keine Ahnung davon, was das sein könnte. Dunkle Materie füllt den Großteil des Universums aus, und wir wissen nicht, was das ist. In diesem Bereich wird es sicher zu einer großen Umwälzung kommen. Aber in der Physik ist es ja so: Je mehr Antworten kommen, umso mehr neue Fragen tun sich auf. Das ist das Schöne an den Naturwissenschaften, dass sie sich immer weiter fortent­wickeln.