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Kultur Die Scorpions: Weltstars von nebenan
Nachrichten Kultur Die Scorpions: Weltstars von nebenan
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16:25 20.02.2009
40 Jahre Hardrock: Die Scorpions.
40 Jahre Hardrock: Die Scorpions. Quelle: Frank Wilde
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Was fällt uns zu den Scorpions ein, ohne lange zu überlegen? „Rock you like a Hurricane“! „Wind of Change“! Und: „Hannovääääär“! Die ersten beiden sind Welthits, das dritte eine schon legendäre Heimatbekundung von Sänger Klaus Meine. Die Scorpions, das sind mehr als vier Jahrzehnte Hannoväääär und der Rest der Welt. Das sind auch 16 Studio- und eine Handvoll Livealben, 40 Jahre Formationsrocken und lustiges Metalschunkeln an den Bühnenrändern zwischen Rio und Nowosibirsk - und das alles garniert mit der stolzen Bilanz von 75 Millionen verkauften Platten und gut 100 Gold- und Platinalben.

1972, sieben Jahre nach Bandgründung, erschien die erste reguläre Langspielplatte der Scorpions, sie hieß „Lonesome Crow“ und klang mehr nach Led Zeppelin als nach den späteren Scorpions. Bei der anschließenden Deutschlandtour mit Rory Gallagher, Uriah Heep und UFO stieg der jüngere Bruder von Bandgründer Rudolf Schenker, Michael, erst als Ersatzgitarrist bei UFO ein und danach bei den Scorpions aus. Und schon war der erste Stachel gezogen, bis auf Schenker und Meine (der selbst erst 1969 dazugestoßen war) wurde die Band neu besetzt.

Und plötzlich ging es ab. Binnen weniger Jahre wurden alle Karriereweichen gestellt. Mit Dieter Dierks fand die Band den richtigen Produzenten, der den Scorpions-Sound zum Markenzeichen machte. Die Hannoveraner waren jetzt eine Hardrockband, und sie bekamen (wie viele spätere Bands dieses Genres auch) gleich zu spüren, dass diese Mischung aus strengen Posen und engen Hosen eine weltweite Fanschar hat. In Japan verkaufte sich die Platte bestens, das europäische Ausland eroberten die Scorpions als Vorband der Comicrocker von Kiss, und ein kleines, im Genre nicht unvorteilhaftes Skandälchen gab's auch: Ihre Plattenfirma veröffentlichte als Cover des Albums „Virgin Killer“ - angeblich ohne Absprache mit der Band - ein nacktes Mädchen mit gespreizten Beinen hinter einer gesprungenen Glasscheibe. Das Cover wurde entschärft, die Plattenverkäufe nicht - erste Goldene Schallplatte in Japan.

Nach jahrelangem Besetzungs-Hin-und-Her fanden die Scorpions 1978 eine Formation, die 14 Jahre zusammenblieb: Mit Klaus Meine, Rudolf Schenker, Francis Buchholz (Bass), Hermann Rarebell (Schlagzeug) und Matthias Jabs als zweitem Gitarristen schaffte die Gruppe in den Achtzigern den entscheidenden Schritt: Sie knackte den amerikanischen Markt. Zunächst auf Tournee mit AC/DC, später mit Hits wie „Still loving you“ und eben jenem „Rock you like a Hurricane“. Die Hannoveraner spielten als Headliner in US-Footballstadien und füllten dreimal hintereinander den New Yorker Madison Square Garden. Sie waren Superstars und begannen, auch in abgedunkelten Räumen und bei Regenwetter Sonnenbrillen zu tragen.

Ende der achtziger Jahre fuhren die Scorpions nach Russland - und ahnten vermutlich nicht, wie oft sie noch wiederkommen würden. Klaus Meine war so beeindruckt, dass er zu pfeifen begann - „Wind of Change“ wurde der größte Hit. Der Wind des Wandels verhalf der Band in elf Ländern auf Platz eins der Charts und Meine zu einem Gastauftritt im vierten „Otto“-Film. Das dazugehörige Album „Crazy World“ sahnte ebenfalls ab, doch während sich die Rockwelt langsam dem Grunge zuwendete, wurden die Scorpions in der öffentlichen Wahrnehmung eine Schmuseband: „Send me an Angel“, „You and I“ oder „White Dove“ waren Zucker fürs Formatradio, während die „alten“ Fans die Entwicklung der Band skeptisch beobachteten.

Das Album „Eye to Eye“ (1999) mit seinen Drumloop- und Elektronikexperimenten fiel durch und damit auch der erste Versuch der Band seit 1972, sich komplett neu zu erfinden. Der Expo-Song „Moment of Glory“, die kommerziell erfolgreiche Arbeit mit den Berliner Philharmonikern, und große Shows in Südamerika, Asien und Osteuropa konnten den Wunsch der Fans nach gutem, altem Hardrock nicht unterdrücken. Und so kehrte die Band 2004 fast reumütig zu ihrem Stil zurück, auf „Unbreakable“ wurde wieder gerockt. Seit 2003 spielen die Scorpions in ihrer derzeitigen Formation, zu der neben Meine, Schenker und Jabs auch James Kottak am Schlagzeug und Bassist Pawel Maciwoda gehören.

Und jetzt gibt's den Lebenswerk-Preis - für rüstige Altrocker mit 44 Jahren Karriere auf dem Buckel eine schöne Auszeichnung. Die Frage, ob der „Echo“ nun das Karriereende der erfolgreichsten deutschen Rockband einläutet, beantworten Meine und Schenker, beide im vergangenen Jahr 60 geworden, auf ihre Weise: Sie formen mit Zeige- und Mittelfinger ein V und kündigen das nächste Album an. Für Hannovääääär und den Rest der Welt.

von Uwe Janssen

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