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00:25 21.02.2015
Von Mathias Begalke
Die Simple Minds während ihres Konzerts im Capitol Hannover. Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Jim Kerr könnte genauso gut am Pool seines eigenen Hotels auf Sizilien sitzen. Er könnte relaxen, auf den Ätna starren, nach Zitronen und Oliven duftende Luft inhalieren und warten, bis die Simple Minds vergessen sind. Doch der Sänger einer der großen Bands der Achtzigerjahre schont sich nicht. Er startet noch mal durch. 64 Shows waren es im vorigen Jahr, 66 sind es in diesem. Manchmal spielen sie in den großen Arenen, vorwiegend aber in kleineren Clubs, Stadthallen oder Theatern, so wie am Mittwoch im ausverkauften Capitol in Hannover.

Bei Newcomern würde man zu diesem Programm Ochsentour sagen. „Es ist der Job meines Lebens“, hat der 55-jährige Sänger mal gesagt. Man nimmt ihm das gerne ab.   Die Show dauert gut zwei Stunden. Kerr trägt bis zur Pause schwarzen Mantel und perwollfarbenen Schal, danach Jackett mit Schottenkaro und schwarzem Schal. Er muss sich kaputtschwitzen. Die Simple Minds, 1977 im schottischen Glasgow gegründet, mixen Greatest Hits und Neues im eigenen Retro-Sound.

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Die Simple Minds im Capitol Hannover: Die Bilder vom Konzert.

„Love Song“ von 1981 und „New Gold Dream (81-82-83-84)“ von 1982 etwa repäsentieren ihre innovative New-Wave-Phase. Mit „Don’t you (Forget about me)“ rockten sie 1985 den Dancefloor jeder Dorfdisco. Mit „Sanctify Yourself“ füllten sie die Stadien. Man denkt gerne an die rebellische Seligkeit vieler ihrer Songs zurück, und man wundert sich wie früher über die Selbstverliebtheit von Gitarrist Charlie Burchill. Die Gruppe drohte irgendwann an Übertreibung zu explodieren. Ihr Sound wurde zu pathetisch, die Texte zu missionarisch, die Drums zu gigantisch.

Auch an das wird man an diesem Abend erinnert. Im Zuge des jüngsten Synthie-Pop-Revivals erleben auch die Simple Minds eine Renaissance. The Killers, die Manic Street Preachers, Ryan Adams und Radiohead outeten sich als Bewunderer. „Big Music“ heißt das aktuelle, 17. Album. In „Honest Town“ geht es um Heilung, wie so oft, und um Hoffnung. In „Blindfolded“ heißt das Mädchen, das erst im Keller, dann in der Wüste nach Liebe und Sinn sucht, Sugar.

Als Simple-Minds-Fan muss man Kitsch-Fan sein. Doch Kerrs Stimme und Burchills Gitarre klingen nach wie vor eindringlich und bedeutungsvoll, himmelstürmend und hymnisch. Das Große funktioniert auch im Kleinen. Und so viel zuversichtliches Licht hat man im Capitol selten gesehen. Am Ende zelebrieren sie „Alive and Kicking“. Es herrscht Abiparty-Euphorie. Abiparty 1985.

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