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Kultur Die Vorrunden 
haben begonnen
Nachrichten Kultur Die Vorrunden 
haben begonnen
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20:13 28.09.2009
Von Stefan Arndt
Die Nummer eins: Der amerikanische Geiger Yevgeny Kutik auf dem Podium der Musikhochschule.
Die Nummer eins: Der amerikanische Geiger Yevgeny Kutik auf dem Podium der Musikhochschule. Quelle: Jana Striewe
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Man braucht Mut für diese Stücke. Vielleicht hat Johann Sebastian Bach deshalb schon vor 299 Jahren zur Aufmunterung und auch zur Versicherung seines ungewöhnlichen Ansinnens statt eines Titels die italienischen Worte „Sei Solo“ über seine Sonaten und Partiten für Geige allein geschrieben – du bist allein. Nach einem umjubelten Violinkonzert ist das als Zugabe sicher gut so. Aber zu Beginn eines solchen Ereignisses? Die Bühne der hannoverschen Musikhochschule wirkt sehr groß und sehr leer, wenn ein einzelner Geiger dort auftritt und den Internationalen Violinwettbewerb mit der intimsten Musik beginnen muss, die das Geigenrepertoire bereithält.

Doch der amerikanische Geiger Yevgeny Kutik lässt sich davon nichts anmerken. Dabei hat das Los den 24-Jährigen noch einmal zum Anfänger bestimmt: Er eröffnet die beiden Runden der Vorauswahl, eine unbeliebte Position unter den Teilnehmern. Kutik tritt festen Schrittes vor die noch nicht sehr zahlreichen Zuhörer – und lässt sofort die denkbar zartesten Geigentöne erklingen. Bachs C-Dur-Sonate beginnt mit einem einzigen Ton, der vom nächsten darüberliegenden erst in sanfte Schwingung versetzt und dann von ihm dissonant überlagert wird. Dann kehrt die Musik wieder an den Ausgangspunkt zurück, und der Kreislauf beginnt von vorne. Keine komplexe Struktur, keine Virtuosität, keine Effekte: Musik ohne jede Äußerlichkeit.

Liveübertragung des Wettbewerbs

Vor allem an Stücken wie diesen lässt sich vorausahnen, welche Geiger es in die folgenden Runden schaffen werden: Wer begnügt sich damit, seine Fertigkeiten bei Doppelgriffen zu demonstrieren, und bei wem beginnt die Musik, sich wie neu zu entfalten? Wenn Bach langweilig klingt, liegt es nicht an Bach.

Die in den Vorrunden zunächst noch zehnköpfige Jury, zu der so prominente Geiger wie der inzwischen 80-jährige Josef Suk, Ulf Hoelscher und Marco Rizzi sowie international renommierte Pädagogen gehören, bekommt zunächst viel Durchschnittliches auf hohem Niveau zu hören: Alle Spieler sind technisch sehr versiert (wenn auch durchaus nicht jeder wirklich makellos spielt), doch nur selten mischt sich in die Bewunderung über die frappierende Virtuosität der jungen Geiger auch Bewunderung für die Musik, die sie spielen. Ist Joseph Joachims „Romanze“, das Pflichtstück dieser ersten Runde, wirklich nur ein flaches Stück Salonmusik? Eine schlichte Melodie zu spielen kann eben schwieriger sein als die größte technische Zumutung.

Künstlervideos 2009

Vor allem weibliche Teilnehmer, die unter den 29 Teilnehmern ohnehin leicht in der Überzahl sind, konnten dabei zu Beginn punkten. Dabei hatte eine von ihnen noch kurzfristig ihre Teilnahme abgesagt: Die erst 17-jährige Koreanerin Hyeyoon Park war in diesem Jahr bereits bei mehreren Wettbewerben, unter anderen bei dem der ARD in München, erfolgreich und hätte sicher auch in Hannover zu den Favoriten gehört. Nun aber muss man eine in Hannover ausgebildete Geigerin in jedem Fall auf der Rechnung haben: Die 24-jährige Französin Solenne Païdassi aus der Klasse des (nicht stimmberechtigten) Jurypräsidenten Krzysztof Wegrzyn machte selbst das Joachim-Stück zu einem Ereignis.

Ob dieser Eindruck stimmt und wer noch zu den Anwärtern auf den höchstdotierten Geigenpreis der Welt gehört, wird man in den kommenden Tagen genauer hören können. Heute wird die erste Runde mit Werken von Bach, Ysaÿe und Joachim ab 10 Uhr fortgesetzt, in der weiteren Vorrunde präsentieren sich alle Teilnehmer von Mittwoch bis Freitag in der Musikhochschule ein zweites Mal mit einem selbst zusammengestellten Recital. Freitag um 18 Uhr wird dann verkündet, welche zwölf Teilnehmer es in das Halbfinale geschafft haben.

Mehr Infos unter:www.violin-wettbewerb.de