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Kultur „Die drei Fragezeichen“ als Livehörspiel in Hannover
Nachrichten Kultur „Die drei Fragezeichen“ als Livehörspiel in Hannover
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19:15 01.11.2009
Von Simon Benne
Eingespieltes Trio (von links): Andreas Fröhlich, Oliver Rohrbeck und Jens Wawrczeck. Quelle: Jana Striewe
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Die Kassetten gehörten in Achtziger-Jahre-Kinderzimmer wie das Kajagoogoo-Poster und die Matchboxautos.

Die Hauptsprecher Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich sind – Stimmbrüchen und Schauspielkarrieren zum Trotz – als Detektivtrio bis heute am Ball geblieben. Gerade ist Folge 134 erschienen, und die Generation 30 plus, die viele Stunden ihrer Kindheit virtuell in Rocky Beach verbracht hat, der Heimat der Detektive, ist ein treues Publikum. Rund 100.000 Karten für die zweite Livetournee der drei sind inzwischen verkauft. So ein Hörspiel ist stille Kunst fürs stille Kämmerlein, doch die drei gehen die Bühnenfassung offensiv an und machen in der ausverkauften AWD-Hall mit wummernden Bässen und avancierter Lichtshow auf dicke Hose.

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Geräuschemacher Peter Klinkenberg knistert, klappert und klopft live, während die drei an Stehpulten lesen und Döneken machen. Eine Popshow, bei der mittels Stereoeffekten schon mal ein akustischer Papagei kreuz und quer durch die Halle flattert. Auf dem Programm steht die Folge „Seltsamer Wecker“. Ein Kunstraub erweist sich als „spezial gelagerter Sonderfall“, wie der naseweise Chefdetektiv Justus Jonas klugscheißert. Doch Justus Jonas ist nicht irgendwer, schon gar nicht, wenn Oliver Rohrbeck ihn spricht. Justus Jonas ist eine Fortsetzung Immanuel Kants mit kriminalistischen Mitteln.

Jemand, der den Mut hat, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Er ist der fleischgewordene Sieg des rationalen Denkens. Jemand, der Max Webers „Entzauberung der Welt“ vorexerziert, indem er eine vermeintliche Spukerscheinung nach der anderen als Scharlatanerie entlarvt.

Die Inszenierung platzt vor Anspielungen auf andere Hörspielfolgen. Hier kommt eine Verfolgungsjagd zur Urfassung hinzu, dort ein düsterer Geheimgang. Es gibt lustige Regieeinfälle und sehr gut besetzte Nebenrollen, allen voran Helmut Krauss als Erzähler mit markanter Bassstimme.

Sicher, beim Verlängern hat das Stück auch ein paar Längen bekommen, und manche Idee ist schlicht überspannt. Geschenkt. Das zeugt auch von Selbstironie. Und so wird der Hörspielklassiker zugleich seine eigene Parodie. Am Ende feiern 4000 Besucher mit Standing Ovations den Ausflug in die eigene Kindheit. Und natürlich Justus den Großen.