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Kultur „Die etwas anderen Cops“: Bürohengst mit Trillerpfeife
Nachrichten Kultur „Die etwas anderen Cops“: Bürohengst mit Trillerpfeife
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21:55 14.10.2010
Von Ernst Corinth
Hast du Handschellen dabei? Die Cops Hoitz (Mark Wahlberg, links) und Gamble (Will Ferrell). Quelle: Sony Pictures

Vorsicht, diese Komödie ist gnadenlos komisch! Das fängt schon mit dem Plakat zu „Die etwas anderen Cops“ an. Man sieht darauf zwei muskelbepackte Superbullen (Samuel L. Jackson und Dwayne Johnson), die offenbar angetreten sind, zwei eher trottelig wirkende Typen (Will Ferrell und Mark Wahlberg) energisch in ihre Schranken zu weisen. Aufgemacht ist das Ganze wie eine Werbung für eine Buddy-Komödie, ein Genre, das in den achtziger Jahren mit der „Lethal Weapon“-Serie seinen Höhepunkt hatte, aber immer noch beliebt ist. Doch das Plakat führt in die Irre: Die vermeintlichen Helden kommen bereits nach knapp einer Viertelstunde auf sehr komische Weise ums Leben. In ihre Fußstapfen treten unsere beiden Trottel vom Dienst.

Im Film heißen die zwei Allen Gamble (Ferrell) und Terry Hoitz (Wahlberg). Sie sind das, was man in amerikanischen Polizistenfilmen „the other Guys“ (so auch der Originaltitel der Komödie) nennt, also die Cops hinter den Superhelden, die im Büro die nötige bürokratische Drecksarbeit verrichten. Während Hoitz dorthin strafversetzt wurde, arbeitet Gamble aus voller Überzeugung als Bürohengst. Schon vor Jahren hat er der Gewalt abgeschworen, und weil er zudem nicht mit Waffen umgehen kann, hat ihn sein Vorgesetzter (Michael Keaton) mit einer Holzpistole und später dann lieber nur mit einer Trillerpfeife ausgerüstet.

Diese zwei unbedarften Typen geraten bei ihrem ersten Außendienstjob gleich mitten hinein in ein hochkarätiges Wirtschaftsverbrechen, in dessen Mittelpunkt ein skrupelloser Finanzhai (Steve Coogan) steht. Die Pensionskasse der New Yorker Polizei ist durch betrügerische Machenschaften in Gefahr! Das klingt aufregend, wird allerdings recht wirr erzählt, was aber zum Glück den Spaß an diesem Film nicht schmälert.

So viele schräge und witzige Einfälle hat es selten gegeben in einer modernen US-Komödie, die mehr Satire als Parodie ist. Das geht schon los mit den erwähnten Supercops, die wegen ein paar Gramm Marihuana bei einer Verfolgungsjagd halb New York in Schutt und Asche legen und dennoch von den Medien und dem Publikum wie Popstars verehrt werden. Und dann hat Gamble alias Ferrell seinen großen Auftritt. Ferrell spielt seinen Bürohengst so bewusst zurückhaltend, ja untertrieben, dass es zum Lachen komisch ist. Zudem hat dieser ungemein graue Cop eine bunte schillernde Karriere hinter sich, hat jahrelang als erfolgreicher Zuhälter gearbeitet, immer noch unverschämtes Glück beim weiblichen Geschlecht und mit Eva Mendes eine schwer erotische Filmehefrau. All das passt irgendwie nicht zusammen, wird aber so selbstverständlich erzählt, dass nicht nur Hoitz über das heimliche Helden- und Liebesleben des Kollegen staunt.

In den USA war die Komödie von Adam McKay, der schon mehrmals mit Ferrell zusammengearbeitet hat, ein großer kommerzieller Erfolg – nicht zuletzt wegen ihres Hauptdarstellers. Der 43-Jährige ist einer der beliebtesten Komiker seines Landes, ein Kassenmagnet, und zählt folglich zu den bestverdienenden männlichen Schauspielern. Sein Humor ist für deutsche Zuschauer – siehe „Buddy – Der Weihnachtself“ (2003) oder „Die Stiefbrüder“ (2008) – zwar gewöhnungsbedürftig, aber seinen neuen Kinostreich kann man nur weiterempfehlen.

Komödie unter Kumpeln: Unverschämt witzig. Cinemaxx Raschplatz, Cinemaxx Nikolaistraße, Utopia, CineStar.

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