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Kultur Die große Ausstellung zu M.C.Escher in der Kulturhauptstadt Leeuwarden
Nachrichten Kultur Die große Ausstellung zu M.C.Escher in der Kulturhauptstadt Leeuwarden
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00:21 29.04.2018
„Escher auf Reisen“ im Friesischen Museum in Leeuwarden. Quelle: dpa
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Leeuwarden

 M. C. Escher war ein Reisender. Am liebsten reiste er mit einem trägen Frachtschiff. Dafür hatte er sogar einmal einen Deal gemacht mit einem Reeder. Der nahm ihn für ein paar Zeichnungen mit auf große Fahrt - und gab ihm noch täglich einen Liter Wein dazu. Nun kehrt Escher (1898-1972) symbolisch zurück in seine Heimatstadt, das friesische Leeuwarden - in diesem Jahr Kulturhauptstadt Europas. Mit der großen Ausstellung „Escher auf Reisen“ ehrt Leeuwarden den Künstler von Sonnabend an im Friesischen Museum.

„Seine Reisen prägten ihn“, erklärt Judith Spijksma, sie stellte die Ausstellung mit zahlreichen Spitzenwerken aus internationalen Sammlungen zusammen. Die Einflüsse Italiens sind in den realistischen Frühwerken zu sehen, aber auch sicher in den späteren Meisterwerken der Illusion: Hände, die sich gegenseitig zeichnen. Wasser, das nach oben fließt. Treppen, die nirgendwo anfangen und enden.

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Die rätselhaften meist schwarz-weißen Werke von M.C. Escherfaszinieren und sind beliebte Motive für T-Shirts und Mathematikbücher. Einmal wollte auch Musiker Mick Jagger einen echten Escher fürs Cover einer neuen LP der Rolling Stones. „Lieber Maurits“, schrieb Jagger 1969 an den Künstler. Doch der lehnte genervt ab. Er lege Wert auf die Anrede „Sehr geehrter M.C. Escher“.

Maurits Cornelis war eben ein Herr von Stand. Vor 120 Jahren wurde er in Leeuwarden geboren. Die Eltern waren äußerst wohlhabend und boten dem Jungen eine gehobene Bildung. Doch Mauk, wie er genannt wurde, lernte nicht gerne und gut, dafür zeichnete er umso besser. Nach der Schule begann er ein Grafikstudium - und seine großen Reisen.

Italien faszinierte den jungen Mann so sehr, dass er sich dort auch später niederließ. Jahrelang lebte er mit seiner Schweizer Frau Jetta in Rom. „Sie zogen mit einem Esel in die Berge“, sagt die Kuratorin Spijksma. Escher zeichnete genau, was er sah. Die pittoresken Dörfer auf den Bergen, die verwinkelten Gassen, die mediterranen Treppenlabyrinthe. Schon früh ist er fasziniert von Flächen und geometrischen Formen.

„Wahrscheinlich müsste ich hier Monate bleiben“, schreibt er 1921 aus Italien, „um die ungestüm wogenden Hügel und den sehr reichen Pflanzenwuchs zu verstehen.“ Seine vielen Skizzen von unterwegs verarbeitet er penibel genau mit allen Schattierungen in fantastischen Holzschnitten.

Aber er beginnt auch, mit den Landschaften zu spielen. Bäume oder Pflanzen aus der einen Region etwa montiert er in eine ganz andere hinein. Dasselbe gilt für Bauwerke.

Und dann geschieht 1934 plötzlich im „Stilleben mit Spiegel“ etwas Eigenartiges: Im Spiegel taucht die Skizze eines alten italienischen Ortes auf. Auf den ersten Blick ganz normal - doch dann sieht man: Das ist unmöglich.

Wie kommt es dazu? „Das wissen wir nicht“, sagt die Escher-Expertin Spijksma. „Irgendwann hat er gesehen, dass er auf dem Papier Dinge schaffen kann, die in der Realität unmöglich sind.“ Und das wird er weiter tun.

Das Friesische Museum baute eine wahre Wunderwelt auf. Die Zeichnungen sind so ausgeleuchtet, dass man beinahe selbst in Eschers mysteriöse mediterrane Welten hinein gezogen wird. Eine Verführung zum dritten oder vierten Blick.

1936 zieht die Familie aus Italien fort, weg vom aufkommenden Faschismus in die Schweiz. Doch die Landschaft dort interessiert den Zeichner gar nicht. Das gilt übrigens auch für seine platte Heimat, die Niederlande. Erneut begibt er sich auf Reisen - mit Jetta. Und 1936 wird der Besuch der Alhambra im spanischen Granada ein Schlüsselerlebnis. Die maurischen Ornamente inspirieren Escher zum Entwerfen eigener Muster, in denen Tieren und Flächen nahtlos ineinander übergehen.

Im Krieg kehrt er schließlich - ungern - endgültig zurück in die Niederlande. Dort schafft er immer komplexere Welten und versucht, durch unzählige Wiederholungen Unendlichkeit herzustellen. Der neue Escher kommt an. Er selbst wird zum unermüdlichen Deuter seines Werkes, korrespondiert viel mit Mathematikern.

Ruhe vom Ruhm und Rummel sucht er noch immer auf Reisen. Am liebsten mit dem Frachtschiff. Möglichst lang, möglichst eintönig. Fast hat man den Eindruck, als wollte er ins Unendliche reisen. Unmöglich wäre es nicht.

Von Annette Birschel

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