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Kultur Die hannoversche Konzertdirektion Schmid wird 50
Nachrichten Kultur Die hannoversche Konzertdirektion Schmid wird 50
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17:12 13.05.2009
Von Rainer Wagner
Hans Ulrich Schmid traf 1977 auch Lennie Bernstein. Quelle: Karin Blüher
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Er wurde Kaufmann und lernte bei Steinway & Sons in Hamburg. Als er sich zusammen mit seinem Partner Alfred Döll selbstständig machen wollte, hatten die beiden ausgerechnet, „dass es in Hannover zu wenige Steinway-Flügel im Verhältnis zur Bevölkerung gab“.

So kam Schmid 1957 nach Hannover, verkaufte hier nicht nur Klaviere, sondern auch Klavierabende. Der hannoversche Pianist Karl Engel gab zwei Jahre später den Anstoß, doch Konzerte auch außerhalb zu vermitteln: Die Konzertdirektion Schmid war geboren. Und bald standen Musiker vom Rang eines Alfred Brendel, Pierre Boulez oder Sir Georg Solti auf der Künstlerliste.

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Schmid holte amerikanische Spitzenorchester nach Europa und schickte europäische Klangkörper in die weite Welt. Mitte der siebziger Jahre flog er nach New York und stellte sich bei den Philharmonikern mit den Worten vor: „Guten Tag. Mein Name ist Schmid. Ich möchte Sie kennenlernen.“ Und weil Schmid seit 1964 in Hannover die Pro-Musica-Konzerte veranstaltet, profitierten auch die hiesigen Musikfreunde von diesen Verbindungen. Mochte die Konkurrenz der Musikmetropolen auch groß sein, die mit attraktiveren Sälen locken konnten, so sorgte der Konzertagent Schmid doch dafür, dass der Konzertveranstalter Schmid in Hannover luxuriöse Heimspiele anbieten konnte.

Vor 41 Jahren holte die Konzertdirektion Schmid erstmals die London Strings nach Deutschland, die später als Academy of St. Martin in the Fields Karriere machen sollten. Daraus ist eine Musikerfreundschaft entstanden, die auch Hannovers Musikfreunde einbezieht. Wann immer die Academy nach Hannover kommt (und sie darf eigentlich in keinem Jahr fehlen), versammelt sich die treue Fangemeinde. Academy-Gründer Sir Neville Marriner erinnert sich an die Anfangszeiten: „Hans Ulrich Schmid hat uns ernst genommen, ermutigt und auch gefördert.“

1994 übergab Hans Ulrich Schmid die Leitung der Konzertdirektion an seine Tochter Cornelia Schmid. Sie ist eigentlich Literaturwissenschaftlerin und hat Germanistik (daher die druckreifen Sätze, mit denen sie sich erklärt) und Anglistik (perfekt für die weltweite Vernetzung) studiert. Geige gelernt hat sie auch, doch ähnlich wie beim Vater kam die Erkenntnis, dass es für die eigene Topkarriere wohl nicht reicht. Und dass sie mehr für die Musik erreicht, wenn sie als Mittlerin und Vermittlerin auftritt.

Wer mit Musik und mit Musikern aufwächst, der kann Stars unbefangen begegnen. Nur vor dem englischen Dirigenten Sir John Barbirolle hatte sie als Kind Angst: „Der trug immer so einen bedrohlichen Schlapphut.“

Knapp 30 Mitarbeiter hat die Konzertdirektion Schmid heute. Sie vertritt und vermarktet Künstler: Die Klarinettistin Sabine Mayer und der Geiger Christian Tetzlaff etwa sind seit Langem dabei, aber auch bei Newcomern wie der Geigerin Baiba Skride und dem Dirigenten Andris Nelsons zeigte Schmid gute Witterung – und neuerdings gehört auch Max Raabe mit seinem Palast Orchester dazu.

Die KD Schmid organisiert Tourneen, bietet PR für Musiker als Dienstleistung an und hat ein Büro in London, das nicht nur den britischen Markt betreut, sondern von dort aus auch eigenständig agiert. Aber Cornelia Schmid weiß auch, dass das Kulturgut Musik immer wieder neu vermittelt werden muss. Für Hannover etwa könnte sie sich vorstellen, den Kuppelsaal stärker in eine Anlaufstelle für das musikalische Leben zu verwandeln, da müsse „mehr Leben in den Saal“, der schließlich architektonisch ein hochinteressanter Bau sei.

Neue Konzertformen seien auszuprobieren, die Orchester würden zunehmend lieber für Projekte „vor Ort bleiben“ („in residence“ nennt man das neudeutsch). Ausruhen gilt also nicht. Aber nicht nur, wenn es um die Zukunft geht, ist Cornelia Schmid „verhalten optimistisch“ . Auch die Gegenwart sieht für sie nicht allzu düster aus. Die Krise spürt die Konzertdirektion Schmid derzeit allenfalls auf dem amerikanischen Markt.

In Deutschland, so Cornelia Schmid, gelte nach wie vor: „Je hochkarätiger, desto besser.“ Das taugt nicht nur als Motto, das ist auch eine Verpflichtung.

Aus Anlass des Firmenjubliläums findet am Freitag, 15. Mai, um 14.30 Uhr im Sprengel Museum eine Podiumsdiskussion zum Thema „Ist Talent messbar?“ statt. Der Eintritt ist frei.