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Kultur Die leise Weise
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10:00 11.11.2014
Von Ronald Meyer-Arlt
Foto: Dieter Hufschmidt hat den „Faust“ im Griff.
Dieter Hufschmidt hat den „Faust“ im Griff. Quelle: Ribbe
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Hannover

Er hat den „Faust“ im Griff. Ab und zu schraubt er die rechte Hand in die Höhe, greift etwas Unsichtbares aus der Luft, schüttelt es sacht, wirft es weg. Manchmal streicht er sich mit der Hand über den weißen Bart, ein-, zweimal legt er sich die Hand auf den Kopf. Diese Gesten sind schon alles. Der Rest ist Stimme. Dieter Hufschmidt, der seit 1969 am Schauspiel Hannover spielt, spricht Goethes „Faust“. Er hat das Projekt allein entwickelt. Er steht allein auf der Bühne (auf der ein liegender Baumstamm Gelegenheit zum Anlehnen und Platz zum Sitzen bietet) und spricht wichtige Monologe und bekannte Dialoge. Er gibt die Handlung wieder, und er spricht auch über den „Faust“. Er erzählt, dass er erst vor kurzem entdeckt habe, dass es „skandalöse Stellen von allergrößter Widerwärtigkeit“ in dem Stück gibt. Er sieht den „Faust“ vor allem als Gretchenzerstörungsdrama: Ein alter Mann nimmt sich ein junges Mädchen, das darüber zugrunde geht.

Aber eigentlich geht es hier gar nicht darum, all den „Faust“-Interpretationen noch eine weitere hinzuzufügen. Hier geht es um Sprache, Hufschmidt will den „Faust“ zum Klingen bringen, und hier geht es auch um die Demonstration von Schauspielkunst.

Dass Schauspieler oftmals größere Textmengen lernen und fehlerfrei wiedergeben müssen, wird meist nicht besonders gewürdigt – es gehört eben zu ihrem Beruf. Dass hier aber ein fast achtzigjähriger Schauspieler allein auf der Bühne steht, fast zwei Stunden redet und dabei weite Teile des „Faust“ auswendig kann, das nötigt einem doch viel Respekt ab.

Dieter Hufschmidt zeigt eindrucksvoll, dass nicht nur Worte das Material eines guten Schauspielers sind, sondern auch das, was sich zwischen ihnen befindet. Der Schauspieler arbeitet viel mit Stille. Er macht kluge Pausen, spricht leise, aber immer gut verständlich, nachdenklich, aber nie ermüdend. Oft fühlt man sich ganz persönlich von ihm angesprochen. Und von Faust. Und von Goethe.

Dieter Hufschmidt erzählt

Die nächste „Faust“-Aufführung gibt es im Januar im Ballhof 2. Weitere Informationen unter: www.schauspiel-hannover.de

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