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Kultur Dieter Thomas Kuhn auf der Parkbühne
Nachrichten Kultur Dieter Thomas Kuhn auf der Parkbühne
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12:20 31.08.2010
Von Dirk Kirchberg
Dieter Thomas Kuhn
Dieter Thomas Kuhn: erfolgreicher Vertreter des Schlager-Revival Quelle: Uwe Dillenberg
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Dieses Land ist bunt und besteht größtenteils aus Plastik. Prinzessinnenkronen, Polyestertrainingsanzügen, Plateauschuhen, Regencapes. Anders gesagt: Alles, was seit den Siebzigern oder spätestens den Revival-Neunzigern im Keller verschwunden war und nur zu Karneval ungestraft hervorgekramt werden darf, ist genau die richtige Ausstattung für ein Dieter-Thomas-Kuhn-Konzert.

Frauen, die orangefarbene Strumpfhosen zum giftgrünen Nickiminikleid tragen, tanzen auf dem aufgeweichten Rasen mit Männern, die rote Gummistiefel mit blonden Langhaarperücken und neonfarbenen Diskooveralls kombinieren. Kuhn selbst trägt einen Silberpailettenanzug samt rosa Hemd, weit genug aufgeknöpft, damit sein Brusthaartoupet gut zu sehen ist. Trotz Regen und Wind sitzt seine Föhnwelle perfekt. Schließlich hat er seinen Haarschopf mit ausreichend Plastik verstärkt. „Drei-Wetter-Taft“, ruft er der Menge entgegen, „ich hoffe, bei euch hält die Frisur genauso gut wie bei mir.“

Und schon geht sie los, die wilde Fahrt. Ein Schlager folgt auf den nächsten, nur unterbrochen von den absurden, aber kurzen Überleitungen Kuhns. So heiße die Mutter des Pianisten „Michaela“, und sie habe viele schöne Lieder mitgebracht. Der Keyboarder dagegen möge keinen „griechischen Wein“, und ab und zu wäre „eine neue Liebe“ mal ganz schön. Kuhn ist kein Mann der subtilen Zwischentöne. Und die meisten Lieder spielt die Band mindestens zwei Takte zügiger, es darf keine Langeweile aufkommen. Die Besucher begrüßen die schnelle Gangart: Sie tanzen Discofox im Matsch oder starten vom Proseccostand aus eine Polonaise.

Zur Halbzeit wird Kuhn und seiner Kapelle ein Glas Ramazotti gereicht. Und zu „Aber bitte mit Sahne“ von Udo Jürgens, dem „einzig wahren Rocker“, wie Kuhn sagt, tauscht der Plastikbarde sein Glitzersakko gegen eine Lederjacke – und auch die sieht verdächtig nach Kunstleder aus. Die Kuhn-Show ist eine einzige Pose, genau dafür lieben ihn seine Fans. Zudem dürfte er der einzige Sänger sein, dem Männer zurufen: „Ich will ein Kind von dir!“ Als dann Carpendales „Ti amo“ ertönt, singt die ganze Parkbühne mit. Kuhn verspricht, nächstes Jahr wiederzukommen, und attestiert dem Publikum: „Ihr seid echt tapfer.“ Das kann man so sagen.