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Kultur Dietmar Wischmeyer und Oliver Kalkofe im Theater am Aegi
Nachrichten Kultur Dietmar Wischmeyer und Oliver Kalkofe im Theater am Aegi
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08:00 08.01.2011
Dietmar Wischmeyer und Oliver Kalkofe luden zum 20-jährigen Bestehen ihrer Paraderollen im Theater am Aegi ein.
Dietmar Wischmeyer und Oliver Kalkofe luden zum 20-jährigen Bestehen ihrer Paraderollen im Theater am Aegi ein. Quelle: NANCY HEUSEL
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Vielleicht hätte man es wie einige Fans von Dietmar Wischmeyer und Oliver Kalkofe im Theater im Aegi machen müssen. Einfach reichlich Bier zur Vorstellung ins ausverkaufte Theater schmuggeln, eins nach dem anderen leeren, die Flaschen unter den Sessel oder direkt auf dem Bühnenrand abstellen und sich den Abend schön trinken.

Vielleicht hätte man so dann auch die gefühlten zweimal zwei Stunden voller Fäkalhumor, derber Sprüche und ausufernder Schimpfworttiraden ertragen oder es gar lustig gefunden. Oder man wäre irgendwann friedlich eingeschlafen – und hätte sich damit die schönen Erinnerungen an die Glanzzeiten des Frühstyxradios bewahrt.

Dabei hatten Wischmeyer und Kalkofe ihr Publikum gewarnt. Unter dem Titel „War mir schlecht – Warten auf Gertrud“ luden sie zum 20-jährigen Bestehen ihrer Paraderollen ein, die „Arschkrampen“. Wischmeyer wird dabei zu Kurt Krampmeier, einem Ekel mit roter Mütze, das stets besoffen, notgeil und ausfallend auftritt. Sein Leben dreht sich um nichts weiter als um den Suff und die Sorge, bei einer der seltenen sexuellen Gelegenheiten zu betrunken zu sein.

Kalkofe mimt seinen unterwürfigen Kneipenkumpan Gürgen Ferkulat, einen Besserwisser mit Pullunder, Nerdbrille und Schiebermütze. Er ist das Tresengewissen, das seinen Freund infrage stellt, aber auch weiter keine Antworten zum Sinn des Lebens beisteuert. Zusammen wirken sie wie die prähistorische Vorlage des TV-Bierphilosophen Dittsche – nur mit deutlich höherem Pegel.

Im Theater am Aegi macht das Duo, was es am besten kann: saufen, lallen, lästern. Aber wenn Betrunkene immer die Wahrheit sagen, sollte man einigen den Alk streichen.

Zwischendurch gibt’s verworrene Theorien: Wer den Pfand­flaschenmarkt regiert, regiert die Welt. Windkrafträder sind eigentlich russische Raketen. Inge Meysel und Hardy Krüger haben sich einst als Löwen und Tiger verkleidet, um als Tierfilme getarnte Pornos zu drehen. Wie Krampmeier darauf kommt? „Ich nehme bewusstseinserweiternde Getränke zu mir.“ Aber ja.Applaus.

Die „Arschkrampen“ wurden in den neunziger Jahren mit ihren Auftritten im Radio zu Kultfiguren. Sie wurden zu den Stimmen der Stammtische und kommentierten ironisch gesellschaftliche Entwicklungen. Ihre Waffe war die Zuspitzung, die Satire. Man stellte sich sogar den Wecker für ihren Radioauftritt und lachte kurz mit ihnen über den Zustand der Welt, der mit den Augen eines Betrunkenen betrachtet noch irrwitziger anmutet. Galgenhumor zum Frühstücksei.

Im Aegi jedoch suchte man diese Qualität vergeblich. Am Ende schaute man zwei sexistischen Sozialversagern beim Labern am Tresen zu. Das hätte man auch in einer Kneipe haben können. Und da muss man auch das Bier nicht reinschmuggeln.

Jan Sedelies

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