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Kultur So war die letzte „Fitz-Oblong-Show“
Nachrichten Kultur So war die letzte „Fitz-Oblong-Show“
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00:21 08.05.2018
25 Jahre Oblong: Am Klavier sitzt Hans Gierschik, daneben (v.l.) Thomas Quasthoff, Felicitas Hoppe und Dietrich zur Nedden. Quelle: Michael Wallmüller
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Hannover

 Er spielt ein Riff auf seiner Ukulele, runzelt die Stirn und summt vage einen Ton. „Ich erwisch den richtigen Ton jetzt nicht, also bitte tapfer bleiben“, warnt Dietrich zur Nedden. Und richtig: Als zur Nedden viel zu tief lossingt, schüttelt Bassbariton Thomas Quasthoff energisch den Kopf und ruft „Nein!“. Also noch einmal von vorn.

Was auf den ersten Blick wirkt wie die Generalprobe ambitionierter Amateure, ist  die Abschiedsveranstaltung einer 25-jährigen Lesebühnen-Institution. 1993 gründete zur Nedden mit seinem Kumpel Michael Quasthoff die hannoversche „Fitz Oblong Show“, die heute schlicht „Oblong Show“ heißt – bundesweit die erste seiner Art. Auf der Oblong-Bühne wurde seitdem gelesen, gewitzelt und gesungen. Schrägheit, Improvisation – und Ukulelen-Klänge sind Markenzeichen der „Oblong Show“. Zuletzt gastierte die Show im Literaturhaus. Zum Abschied hat Dietrich zur Nedden seine Gäste am Freitag – wie beim ersten Mal – im Künstlerhaus versammelt. Den Platz des 2010 verstorbenen Michael Quasthoff hat an diesem Abend sein Bruder Thomas eingenommen.

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Die Reihen im Kinosaal im Künstlerhaus sind prall gefüllt. „Alles ist gesagt – nur noch nicht von jedem“ – mit diesem Zitat eröffnet zur Nedden den Abend. Und dann erzählt er von der ersten „Fitz Oblong Show“ („Wir waren und blieben zu zweit“) und liest alte Texte wie die Satire auf Sechziger-Jahre-Sänger Rudolf Schock „Warum ich Kunstlieder hasse“ vor. Quasthoff jazzt mit voller Inbrunst alte Lieder („O gelber Mond“) und Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe liest einen unveröffentlichten Text von 1967 vor. Die Zuschauer klatschen anhaltend nach jedem Beitrag und jubeln.

Dabei ist nichts davon perfekt: Quasthoff singt nicht jeden Ton ins Mikro, zur Nedden trifft kaum einen Ton und scheint bei manchen Liedern das Taktgefühl gänzlich zu verlieren. Fragen wie „Wer ist jetzt dran?“ schließen an die Beiträge an, alles wirkt improvisiert. „Wir sind wie immer völlig überprobt. Wir brauchen viel Zeit, um amateurhaft zu wirken“, sagt Quasthoff ironisch und das Publikum lacht. Dass manche Reime nicht aufgehen, hielt er auch seinem Bruder schon vor, erzählt der Profi-Sänger Quasthoff – dem war das aber herzlich egal. Eine Anekdote, die klingt wie eine Paraphrase auf die „Oblong Show“. Das Unfertige und die Schusseligkeit sind schließlich Teil der Inszenierung.

Dazu passt auch, dass sich die Podiumsgäste kumpelig gegenseitig „Feli“ (Hoppe) oder „Diddi“ (Zur Nedden) nennen und munter quatschen, wenn sie gerade nicht an der Reihe sind – ein bisschen wie die Klassenclowns früher in der Schule. Die Atmosphäre ist kuschelig, man kennt sich eben. Nach der halbstündigen Pause muss Quasthoff erst mit einem energischen „Ruhe!“ dem angeregten Murmeln im Zuschauerraum Einhalt gebieten, damit die Show weitergehen kann.

Das letzte Lied „Ein bisschen Wärme“ singen Hoppen, zur Nedden und Quasthoff gemeinsam. Aber ganz vorbei ist es noch nicht, denn: „Das Wichtigste in den 25 Jahren war ja nach der Show noch was trinken zu gehen – und ist es heute noch“, verabschiedet sich zur Nedden nach über zwei Stunden gerührt vom Publikum.

Von Kira von der Brelie25