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Kultur Domian-Film kommt ins Kino
Nachrichten Kultur Domian-Film kommt ins Kino
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13:48 29.10.2015
Quelle: dpa
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Wenn wildfremde Menschen nachts bei Jürgen Domian anrufen, geht es oft um den Tod. Die Anrufer erzählen vom Verlust eines geliebten Menschen, von Verbrechen, von tödlichen Krankheiten, von Selbstmordgedanken. „Im Grunde ist der Tod das Thema meines Lebens“, sagt der WDR-Moderator über sich selbst. Denn auch im Privatleben beschäftige er sich viel mit dem Sterben, schildert Domian in einem Dokumentarfilm, der von diesem Sonntag (1. November) an in ausgewählten Kinos zu sehen sein wird.

Bei „Domian - Interview mit dem Tod“ - angelehnt an das gleichnamige Buch des 57-Jährigen - werden die Kinozuschauer wohl kaum genüsslich Popcorn essen. Es ist ein stiller, nachdenklicher, geradezu trübsinniger Film. Regisseurin Birgit Schulz hat Kontakt zu Anrufern aus der Domian-Sendung aufgenommen, damit sie ihre Geschichte vor laufender Kamera erneut erzählen.

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Da ist zum Beispiel Klaus, der vor vielen Jahren seine Nachbarin getötet hat. Oder Markus, der sich für den Suizid eines Freunds mitverantwortlich fühlt, weil dieser ihm vorher von seiner Absicht erzählt hatte. Oder Thorsten, dessen zehnjähriger Sohn bei einem Wohnungsbrand ums Leben kam - eine sogenannte Himmelslaterne setzte das Haus in dem Moment in Brand, als der Vater seinen Sohn zum ersten Mal kurz allein ließ. Schicksale, die betroffen machen.

In 20 Jahren hat Domian in seiner Sendung, die im WDR-Fernsehen und im WDR-Radio 1Live läuft, mit insgesamt 20 000 Anrufern gesprochen. „Ich kann gar nicht sagen, welches Gespräch das Dramatischste war“, sagt er. Auf jeden Fall habe er in viele Abgründe geschaut. Besonders gingen ihm Gespräche zu Herzen, in denen „Menschen am Ende ihres Lebens quasi das Resümee ziehen, dass sie falsch gelebt haben. Das ist schlimm. Was sagt man so jemandem?“

Wenn Domian im Film so redet, steht er mit trübem Gesicht am Fenster und trinkt langsam ein Glas Wein. Oder er wandert mutterseelenallein durch eine Landschaft in Lappland, wohin er sich jeden Sommer zurückzieht, um in der Stille Kraft zu tanken. Oder die Zuschauer sehen ihn, wie er eine Schlafmaske aufsetzt und erschöpft ins Bett sinkt - nachdem er vorher von seinen Schlafstörungen berichtet hat.

Domian erzählt in dem Film viel Persönliches - von demütigenden Erlebnissen aus der Schulzeit, von seiner Bulimie-Erkrankung und von seiner Obsession für das Thema Tod, die er schon als Kind entwickelt habe. Sehr traurig klingt das alles.

Der Film endet mit dem auf schwarzem Untergrund eingeblendeten Hinweis, dass Domian Ende 2016 seinen nächtlichen Telefontalk „für immer beenden wird“. Und selbst wenn es einen Nachfolger für ihn geben sollte: Für viele Fans ist es der Tod einer Kultsendung.

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