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07:27 07.07.2014
Von Uwe Janssen
Foto: Festgehalten am Potsdamer Platz - bald entfesselt nach Europa? Die Manic Street Preachers.
Festgehalten am Potsdamer Platz - bald entfesselt nach Europa? Die Manic Street Preachers. Quelle: Alex Lake
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Europa? Gut! „Europa geht durch mich“, deklamiert Nina Hoss immer wieder, „Europa geht durch mich“. Zur Erklärung hat sie nur Andeutungen parat. „Europäischer Himmel, europäische Lust, europäische Straßen, europäische Hoffnung, europäische Sonne, europäische Liebe.“ Das Bemerkenswerteste an diesem Lied ist, dass es vom neuen Album der Manic Street Preachers kommt und dort nicht nur an Stelle Nummer fünf eine ziemlich zentrale Position einnimmt.

Denn „Futurology“ ist ein musikalischer Blick nach vorn, und dass die Band einen solch strammen Europa-Kurs proklamiert, muss einen nur auf den ersten Blick wundern. Denn die Manic Street Preachers sind Briten, und sie fahren auf Anti-Anti-Europa-Kurs, also entgegen dem der Regierung Cameron, und das passt schon eher zu dem walisischen Trio, das gern auch mal politisch dazwischen haut. Doch als reine Provokation möchte die Band ihre Haltung nicht verstanden wissen, es gebe, so hat Bassist Nicky Wire während der Aufnahmen gesagt, eine wirkliche Begeisterung für die gesamtkontinentale Idee.

„Futurology“ beruhigt in Sachen Meinungsfreude und auch musikalisch die alten Fans. Denn vor etwa einem Jahr kam mit „Rewind the Film“ ein so entspanntes Preachers-Album auf den Markt, dass man misstrauisch werden konnte. Nachdenkliche, leise Töne, fluffige Gitarrensongs, wie immer gutes Songwriting von Sänger James Dean Bradfield, aber ziemlich untypisch.

Fast alterswerktauglich. Der zügige Nachleger zeigt nun: nur ein Ausflug. Die 13 Songs auf „Futurology“ sind forscher, drängelnder, ungeduldiger. Mehr Gitarren, hymnische Gesänge, Britpop, Stadionrock, elektronische Spielereien. Und schöne Refrainzeilen wie „Let’s Go to War“, bei denen man sich wieder im richtigen Film wähnt.

Die Aufnahmen entstanden zum Teil in den Berliner Hansa-Studios, in denen immer noch der Geist Bowies zu stecken scheint. „Heroes“ ist hier entstanden, er liebt diese Stadt, zudem herrscht ohnehin gerade Bowie-Hype in der Stadt. Kann sein, dass die nervösen „Heroes“-Anspielungen im Preachers-Song „Walk Me to the Bridge“ Zufall sind, das Gegenteil ist wahrscheinlicher. Bei „Black Square“ rezitiert Nina Hoss schon wieder ihre Europa-Träume im Hintergrund.

Auch auf sich selbst nimmt die Band gern Bezug, „Between the Clock and the Bed“ könnte in den Neunzigern entstanden und einfach vergessen worden sein. Damals, als bei den Manic Street Preachers noch Richey James Edwards an der Gitarre stand, der 1995 direkt vor einer Tournee plötzlich verschwand und nie wieder auftauchte. Das bis heute ungelöste Rätsel um Edwards hat das künstlerische Schaffen der Restband lange überschattet, das Mysterium erschien zumindest den Journalisten spannender als die Musik.

Seit einigen Jahren herrscht wieder ein Hype um die Band, diesmal geht es vor allem um die Musik. Ein so frisches und ideenreiches Album wie „Futurology“ deutet an, dass die Herren auch nach einem Vierteljahrhundert noch nicht ans Altenteil denken.

Manic Street Preachers: „Futurology“ (Sony)

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