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Kultur „Ich weiß, mein Deutsch ist scheiße“
Nachrichten Kultur „Ich weiß, mein Deutsch ist scheiße“
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23:37 12.02.2015
Mit Dampf: Al Barr. Quelle: Behrens
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Hannover

Al Barr schreitet den Bühnenrand ab wie ein Tiger den Zaun seines Zoogeheges. Der viel tätowierte Mann im Fred-Perry-Shirt und mit Schlägermütze geht leicht gebückt, die rechte Faust schwingend, als stünde da am anderen Ende der Halle die Bande aus dem verfeindeten Viertel, denen er jetzt mal ordentlich Kloppe androhen müsse.

Barr steht mit seiner Band Dropkick Murphys auf der Bühne der fast ausverkauften Swiss Life Hall. Die Band kommt aus Boston, der irisch geprägten Stadt an der Ostküste der USA. Dort sind sie seit vielen Jahre die Hauptattraktion bei den Feiern zum St. Patrick’s Day. Barr wechselt sich beim Hauptgesang mit dem Gitarristen James Patrick Lynch ab (auch er Schlägermütze, auch er ein guter Faustschwinger). Dieses Wechselspiel gibt dem Ganzen etwas Energetisches. Die Dropkick Murphys, Mitte der Neunzigerjahre gegründet, vereinen klassischen Irish Folk (Dudelsack, Flöte, Akkordeon) mit Punk und nennen das der Einfachhalt halber Folk-Punk. Es gibt die Songs, die eher in Richtung Hard- core gehen, und zu denen sich die Fans im vorderen Drittel der Halle gegenseitig anspringen- und einige Mutige dabei noch versuchen, sich auf deren Händen zur Bühne tragen zu lassen.

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Ihr Musikstil reicht von Punkrock über Irish Folk bis zum Hardcore Punk. In der Swiss Life Hall in Hannover haben die Dropkick Murphys ordentlich abgerockt.

Es gibt dann aber auch die Schunkellieder. „Wild Rover“ ist das Lied vom verlorenen Sohn, der nach dem Bruch einiger Gebote nach Hause kehrt, auf Gnade hofft und „no, nay, never“ wieder ein wilder Herumtreiber sein wird. Ein altes Volkslied, bei dem sich gut mit dem Pintglas auf den Tresen klopfen lässt. Diese Mischung klingt merkwürdig, ergibt aber ein ganz wunwderbares Konzert. „Hannover, wie gehts eigentlich“, fragt Barr. „Ich weiß, mein Deutsch ist scheiße“, ruft er dann, der Schlagzeuger drischt eins, zwei, drei, vier auf sein Instrument, und dann geht der Punk wieder ab.

Bei „The Warrior’s Code“, einer Hommage an den irischstämmigen Profiboxer Micky Ward, laufen Boxszenen im Hintergrund. Bei anderen Stücken sieht man Fotos von Männern, die Schiffe vertäuen oder Bierfässer verladen. Das wohl bekannteste Lied der Band ist „I’m Shipping Up To Boston“. Hier haben sie einen Text des Folk-Sängers Woody Guthrie zu einem treibenden Stück gemacht. Beim Eishockeyclub Boston Bruins und anderen US-Teams läuft der Song. Und bei Martin Scorseses Film „The Departed“ bildet das Lied gleich zu Beginn ein Glanzstück.

Eine kleine Perle zum Schluss: Zu „Kiss Me, I’m Shitfaced“ dürfen Dutzende weibliche Fans auf die Bühne. Auf der Leinwand steht, dass nur ein Vollidiot ein Selfie auf der Bühne machen würde. Als dann ihre Version von „The Kids Are United“ vorbei ist, tanzen auch verschwitze Männer auf der Bühne, da lassen sich die Faustschwinger dann aber doch brav fotografieren.

Von Gerd Schild

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