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Kultur „Easy Virtue“ als eleganter Lückenbüßer
Nachrichten Kultur „Easy Virtue“ als eleganter Lückenbüßer
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19:36 23.06.2010
Von Ernst Corinth
Jessica Biel als Larita Huntington. Quelle: Sony

Es gibt auch elegante Lückenbüßer. Ein solcher ist der englische Film „Easy Virtue“, den der Australier Stephan Elliot („Priscilla – Königin der Wüste“) nach der gleichnamigen Gesellschaftskomödie von Noël Coward gedreht hat. Diese Vorlage hat schon Alfred Hitchcock in einem Stummfilm verarbeitet – und damit 1928 übrigens einen der wenigen kommerziellen Flops seiner Karriere hingelegt. Die aktuelle Umsetzung der Komödie kommt jetzt während der Fußball-WM in unsere Kinos. Eine unterhaltsame Alternative zum Rasensport ist Elliots Werk allemal.

Dieser Film ist eine champagnerleichte Angelegenheit, angesiedelt in einer wunderschönen, typisch britischen Bilderbuchkulisse, die einen angenehmen Kontrast zu der eher bierselig rauen Stimmung einer Fußball-WM bietet. Schauplatz ist in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein imposantes, jedoch arg verwittertes Landgut in der englischen Provinz. Dort lebt seit einer Ewigkeit die Familie Whittaker, deren jüngster Spross John (Ben Barnes) sich in dem für konservative britische Verhältnisse sündigen Monaco ausgerechnet in die Autorennfahrerin Larita (Jessica Biel) verguckt hat.

Am Mittelmeer haben die beiden sofort geheiratet, obwohl sie gar nicht so recht zueinander passen. Larita ist wesentlich erfahrener und emanzipierter als der jungenhafte John, sie ist bereits verwitwet und vor allem: Sie ist Amerikanerin. Schockiert reagiert Johns Mutter (Kristin Scott Thomas), als ihr Sohn mit seiner Braut zu Hause auftaucht. Für sie ist Larita einfach nur ein „Flittchen“.

Zwischen den beiden Frauen spielt sich nun der längst Klischee gewordene klassische Schwiegertocher-Schwiegermutter-Konflikt ab. Rhetorische Giftpfeile fliegen hin und her. Tödliche Blicke werden ausgetauscht. Man stellt sich böse Fallen, versucht so den jeweils anderen vorzuführen. Und da all dies in pointierten und bisweilen wunderbar schwarzhumorigen Dialogen geschieht, ist es für den Zuschauer ein wahrer Spaß.

Dabei merkt man die Meisterschaft des 1973 verstorbenen Autors Noël Coward, der ein spitzzüngiger Spötter, Kenner und zugleich Teil der feinen englischen Gesellschaft gewesen ist. Angereichert wird dieser Humor im Film mit reichlich Situationskomik. Zum Beispiel muss der Schoßhund der Familie auf skurrile Weise dran glauben. Die beiden offenbar in eine Ehe nur noch schwer vermittelbaren Schwestern von John sorgen als echte Landpomeranzen für komische Szenen. Wie eine Dame richtig lasziv Zigaretten raucht, das werden die zwei in ihrem ganzen Leben wohl nicht mehr lernen.

Am 24. Juni startet das Romantikdrama „Easy Virtue“ mit Jessica Biel in der Hauptrolle in den deutschen Kinos.

Eine besondere Stellung in diesem Beziehungsgeflecht hat Mister Whittaker, der unter einem Kriegstrauma leidet, alle Dinge um sich herum ironisch bis zynisch kommentiert und sich schon seit Längerem nicht mehr für die Belange seiner Familie und seines Landgutes interessiert.

Colin Firth spielt den Mann mit rekordverdächtigem Understatement. Eine ähnlich tolle Figur ist Kristin Scott Thomas als seine Frau: Sie setzt Maßstäbe für Hausdrachen im Kino. Blass wirkt dagegen Barnes als John, während die Hollywood-Schöne Biel, die durch Horror- und Actionkracher wie „Blade: Trinity“ oder „The Texas Chainsaw Massacre “ bekannt geworden ist, die ausgebufft moderne Larita gut verkörpert.

Der Film dürfte all jenen gefallen, die ein Faible für ausgefeilte Dialoge und schwarzen Humor besitzen. Der gezeigte Konflikt zwischen überlebter viktorianischer Tradition und einbrechender Moderne, der auch musikalisch hervorragend angedeutet wird, wirkt dagegen aus heutiger Sicht antiquiert. Dafür verfügt er über ein hübsches Happy End, das man den Beteiligten von Herzen gönnt.

Ausgefeilte Dialoge, schwarzer Humor: Prächtige Gesellschaftskomödie. Hochhaus, Cinemaxx Nikolaistraße.

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