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Kultur Ehrung für Bayreuths Opernhaus
Nachrichten Kultur Ehrung für Bayreuths Opernhaus
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18:55 01.07.2012
Von Stefan Arndt
Die Unesco hat das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth als Weltkulturerbe anerkannt. Quelle: dpa
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Bayreuth

Es kommt nicht so häufig vor, dass ein Opernhaus Musikgeschichte schreibt, nachdem es den Spielbetrieb schon eingestellt hat. Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth aber sollte erst rund 100 Jahre, nachdem der letzte Vorhang gefallen war, seine eigentliche Wirkung entfalten. Richard Wagner stieß nämlich 1870 auf der Suche nach einem geeigneten Haus für seine geplanten Festspiele in einem Konversationslexikon auf das alte Theater und reiste in die fränkische Kleinstadt. Das Gebäude erwies sich für seine Zwecke zwar als ungeeignet - der Ort aber als ideal: So bekam Bayreuth sechs Jahre später ein neues Theater auf dem Grünen Hügel vor den Toren der Stadt, das bis heute Pilgerstätte für Musikfreunde aus aller Welt ist.

Für die Unesco-Kommission, die jetzt in St. Petersburg über die Aufnahme von neuen Weltkulturerbestätten entschieden hat, wird all das keine Rolle gespielt haben. Die Opernstadt Bayreuth steht nun zwar mit einem Opernhaus auf der prestigeträchtigen Liste - nicht aber mit dem Wagner-Festspielhaus, sondern mit dem nur auf den ersten Blick unscheinbaren Theater, das Markgräfin Wilhelmine, die Schwester Friedrich II., zwischen 1746 und 1748 in der Stadt erbauen ließ.

Wer das Gebäude im Zentrum Bayreuths je von innen gesehen hat, versteht die Entscheidung leicht. Hier ist die kaum fassbare Pracht eines höfischen Opernhauses des Barock noch vollständig erhalten. Zumindest fast: 1810 ließ Napoleon den Bühnenvorhang entfernen, um ihn seiner Frau zu schenken. Vor allem der Zuschauerraum ist so eine Rarität in Europa. Fast alle anderen vorwiegend aus Holz erreichteten Häuser fielen früher oder später dem Feuer zum Opfer. Auch Napoleons Vorhang überlebte die Zeiten nicht - 1882 wurde er bei einem Brand in Wien vernichtet.

Das Opernhaus ist nun die 37. Welterbe-Stätte in Deutschland. Die Kurfürstliche Residenz in Schwetzingen, die ebenfalls zu den Kandidaten gehörte, über die die Unesco zu entscheiden hatte, wurde dagegen nicht aufgenommen. Bayerns Finanzminister Markus Söder erklärte derweil, das Land werde nun in den Erhalt des Bayreuther Welterbes investieren: In den kommenden vier Jahren werde das Markgräfliche Opernhaus für knapp 19 Millionen Euro restauriert.

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