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08:22 21.03.2015
„Am Ende ist es euer Leben“: Johann König im Theater am Aegi.
„Am Ende ist es euer Leben“: Johann König im Theater am Aegi. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

„Schlimmes ist der älteste Taxifahrer der Welt!“ Hä? Sicher, sagt Johann König, denn man wisse doch aus der Bibel „Schlimmes wird uns wieder fahren.

“Noch einer? „Wie war die Stimmung in der DDR? Hielt sich in Grenzen.“ Der schlichte Witz hat eine besondere Position bei Johann König. Es sind diese Witze, die den Ausgangspunkt für Königs Programm bilden, mit dem er jetzt an zwei Abenden in Folge das Theater am Aegi komplett gefüllt hat.

Man kennt Johann König, diesen Schluffi in Cordhosen, als etwas antriebslosen Alltagskämpfer. Zu Beginn seiner Karriere wurde er mit Rüdiger Hoffmann verglichen. Die Lethargie ist bis heute ein zentrales Element seines Bühnenprogramms. Mit immer neuen Wortspielen lässt König durchscheinen, dass er eigentlich auch ganz gut ohne Arbeit könnte. Im Jahr 2012, sagt König, habe er ein Jahr Auszeit von der Bühne genommen - als Burn-out-Prophylaxe. In dieser Zeit sind schöne Betrachtungen aus Königs Alltag entstanden. Etwa wenn er morgens im Schlafanzug am Küchenfenster sitzt und die Menschen bemitleidet, die sich auf den Weg zum Arbeitsplatz machen. Ihnen schreibt er dann kleine Botschaften auf Pappschilder. „Eure Arbeit, die macht Sinn, ich lege mich gleich wieder hin.“

„Wo war ich stehen geblieben?“, fragt König nach einem Exkurs. Er geht ein paar Schritte zur Bühnenmitte. „Ich glaube, ungefähr hier.“ Dann lacht er über sich, oder vielleicht auch über die, die über ihn lachen. „Wer verarscht hier eigentlich gerade wen?“, fragt König in den Saal. König setzt dem schlichten Witz ein Denkmal, denn er gehört zur Evolution des Humors. Der Mensch muss den Affen nicht mögen, er gehört trotzdem zur Familie. Wenn das Gelächter nach einem Fips-Asmussen-Schenkelklopfer besonders laut ist, sagt er: „Ihr müsst selber wissen, worüber ihr lacht. Am Ende ist es euer Leben.“

Aus dem Thema Tiertransporte etwa macht König ein Schunkellied. Wenn er die süßen Schweine und Rinder da sehe in ihren Transportern, dann freue er sich richtig auf Steak und Roulade, singt König. Dafür gab es ordentlich Ärger und einen Brief von Peta. Dabei wolle er, und das habe er den Tierschützern auch geschrieben, doch eigentlich nur auf den Zusammenhang von Tier und Wurst hinweisen, der verloren gegangen sei.

Wer Königs Bühnenprogramm zum ersten Mal sieht, hält die vielen Wortspiele, Bilder und auch die Wutausbrüche vielleicht für nettes Sprachspiel, lose Fäden, Schnipselunterhaltung. Doch gegen Ende sammelt König die losen Enden im immer rasanter werdenden Tempo wieder auf. Fast jede Pointe, jeder Halbsatz findet sich nun an neuer Stelle wieder.

Wer Konfetti in die Luft wirft, der lässt die Leute den Moment genießen. Wer die Schnipsel aufsammelt und daraus ein Bild bastelt, der ist ein Künstler. Oder, wie König es nennt, ein Humorentertainer.

Am Dienstag, 24. März, sind Giora Feidman und Ben Becker um 20 Uhr mit ihrem Programm „Zweistimmig - Hommage an Paul Celan“ im Theater am Aegi zu Gast.

Von Gerd Schild

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