Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Ein Literaturfest für die Freiheit
Nachrichten Kultur Ein Literaturfest für die Freiheit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:15 01.09.2012
Von Martina Sulner
Freiheitsliebender Autor: Dirk Kurbjuweit wird beim Literaturfest Niedersachsen dabei sein. Quelle: Sauer
Anzeige
Hannover

Poetry-Slammer Tobias Kunze hat Dutzende von Erklärungen, was Freiheit sein kann: „Freiheit ist keine Supermarktkampagne“, dichtet er etwa in einem Konferenzraum der VGH-Stiftung in Hannover spontan, und wenig später: „Freiheit ist zu hassen und gleichzeitig zu küssen.“ Darüber kann man zwar geteilter Meinung sein, Kunze macht aber doch neugierig auf den 13.September: Dann wird der hannoversche Poet aus Zurufen von Besuchern in Buxtehude Stegreifgedichte vortragen, und zwei Schauspieler werden Texte lesen, die das Publikum mitbringt.

„Was ihr wollt“ ist dieser Abend überschrieben, der zu den insgesamt 25 Veranstaltungen gehört, mit denen das Literaturfest Niedersachsen (6. bis 23. September) in diesem Jahr den Begriff Freiheit beleuchtet. Parallel zu den Niedersächsischen Musiktagen organisiert die VGH-Stiftung zum siebten Mal dieses Festival. In mehr als 20 Städten oder Gemeinden werden Autoren und Schauspieler neue und alte Texte präsentieren. Wie schon in den Vorjahren schickt die künstlerische Leiterin Susanne Reuter das Publikum an ungewöhnliche Orte. In Hitzacker zum Beispiel geht es in die Alte Sargtischlerei, in Bückeburg ins Hubschraubermuseum und in Bad Lauterberg in den Berggasthof „Hausberg“.

Anzeige

Bei der Auftaktveranstaltung bleibt es hingegen konventionell-seriös: Im VGH-Gebäude am Schiffgraben 4 in Hannover interpretieren Johanna Krumstroh und Ulrich Noethen, der für Christian Brückner einspringt, Texte von Anton Tschechow. Konzipiert hat den Abend der Autor Jens Sparschuh.

Die Festivalorganisatoren (Budget: rund 200.000 Euro) haben reichlich bekannte Autoren und Schauspieler eingeladen. So kommen etwa die österreichische Schriftstellerin Marlene Streeruwitz, der Schweizer Alain Claude Sulzer, Susanne Schädlich und Irina Liebmann sowie die Schauspieler Charles Brauer, Heikko Deutschmann und Thomas Sarbacher.

Besonders interessant am Literaturfest ist jedoch die Konzeption. Susanne Reuter hat Abende zu „niedersächsischen Freigeistern“ (so Reuter) wie Heinrich Vogeler und Arno Schmidt geplant; es geht in einigen Veranstaltungen um politische Freiheit oder auch um die Unfreiheit, die soziale Netzwerke wie Facebook mit sich bringen können. Zudem kommen die Klassiker nicht zu kurz. Charles Brauer, Dieter Hufschmidt und Christian Erdmann etwa lesen Texte von Gotthold Ephraim Lessing; dazu spielt die Hamburger Ratsmusik Kompositionen aus der Zeit Lessings.

Das Literaturfest ist vielfältig, doch sind alle Veranstaltungen, wie Friedrich von Lenthe, der Vorstandsvorsitzende der VGH-Stiftung sagte, „durch einen thematischen roten Faden miteinander verbunden“. Wie vielfältig das Fest werden könnte, zeigte auch die Programmpräsentation: Bevor Tobias Kunze vom Hassen und Küssen slammte, zitierte Friedrich von Lenthe: „Die Gedankensind frei/wer kann sie erraten? ...“

Niedersächsisches Literaturfest: 6. bis 23.September; Infos und Karten unter (0800) 45665400 und im Internet unter www.literaturfest-niedersachsen.de.

Das Programm des Literaturfests zum Herunterladen (pdf).

Stefan Arndt 01.09.2012
Kultur Fotoausstellung in Berlin - Mode zum Anbeißen
29.08.2012
Marina Kormbaki 31.08.2012