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Kultur Ein Naturtalent mit allen Hörnern
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17:36 17.11.2015
Arkady Shilkloper in der Neustädter Hof- und Stadtkirche. Quelle: Wallmüller
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Schon der erste sonore Klang ließ aufhorchen und machte neugierig. Der russische Hornist Arkady Shilkloper improvisierte im Rücken des Publikums von der hinteren Empore in der Neustädter Kirche mit einem Muschelhorn. Schon zu Beginn seines sehr gut besuchten Gastspiels brillierte er auf der Naturtonskala. Er präsentierte sich als außerordentlicher Musiker, gleich ob er einem Alphorn, einem Flügelhorn und schließlich dem herkömmlichen Waldhorn jazzige oder klassische Töne entlockte. Alperins Vielfalt faszinierte das Publikum, das sofort in den Bann des Naturtalents geriet.

Das Schönste an diesem außergewöhnlichen Abend aber war das Zusammenspiel sehr unterschiedlicher Partner, die sich gegenseitig ansteckten und immer wieder inspirierten. Alphorn, Streicher und der 1997 von Lothar und Christiane Mohn in der Neustädter Kirche eingerichtete Handglockenchor mit gut einem Dutzend Mitgliedern, die Töne einzelner Glocken so dicht aneinanderreihen, dass daraus eine zusammenhängende Melodie entsteht – wo gibt es das sonst?

Aus Tatarstan kam das Lerman Chamber Orchestra. Es musizierte nicht nur eine extrem frostige Version des vivaldischen Winter-Konzerts, sondern auch temperamentvolle Tschaikowsky-Bearbeitungen oder – zusammen mit Arkady Shilkloper als Solist des anderthalb Meter langen Hirtenhorns – Leopold Mozarts anmutige Pastorella. Schließlich wurde hinreißend gejazzt, wobei Shilklopers mal sensible, mal feurige Eskapaden durch einen fantastisch groovenden Kontrabassisten überhöht wurden.

Zwei Mozart-Leckerbissen der Extraklasse ließen besonders aufhorchen. Alexander Rosenblatt hatte sein Konzertstück „Mozartino“ für Alphorn und Streicher mit allerlei Anspielungen gewürzt. Dem Publikum blieb kaum Zeit, alle Zitate zu identifizieren. Nach Zauberflöten-Ouvertüre, kleiner Nachtmusik, Don Giovannis Champagner-Arie und dem türkischen Marsch wurde erst innegehalten, als Horn und Streicher das berühmte, aber neuerdings nicht mehr Mozart zugeschriebene Wiegenlied intonierten. Die Serenade aus der kleinen Nachtmusik entpuppte sich als zweiter Mozart-Bonbon des Abends. Ihre Passagen wechselten zwischen den von vorne musizierenden Streichern und dem von der hinteren Empore tönenden und wundersam timbrierten Handglockenchor. So entfaltete sich im Kirchenraum eine traumhafte Sphärenharmonie.

von Ludolf Baucke

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