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Kultur Ein Zwischenfazit: Desimo über Humor in Hannover
Nachrichten Kultur Ein Zwischenfazit: Desimo über Humor in Hannover
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19:19 23.10.2012
Mag alte Räume: Desimo.Behrens
Mag alte Räume: Desimo.Behrens Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Herr Simon, runde Geburtstage sind immer gute Zeitpunkte für Zwischenbilanzen. Haben Sie denn zum Zehnjährigen von „Desimos Spezial Club“ ein paar Statistiken zusammengetragen?

Ja, wir haben mit kruden Rechenmethoden die genaue Lachdauer in zehn Jahren „Club“ ermittelt: Die Lachzeit beträgt zwei Wochen Sommerurlaub.

Was erwartet denn die Gäste der beiden Galashows am 26. und 27. Oktober im Theater am Aegi?

Zu den offiziellen Gästen wird es noch ein paar Überraschungen geben. Und eine Broschüre zur Gala, da stehen viele schöne Sachen drin - und auch die Lachstatistik. Zudem wird der NDR die beiden Shows filmen. Wir wollen aber nicht, dass das ein TV-Auftritt wird und die Zuschauer im Saal nur Kulisse sind. Die Gala ist für das Publikum.

Der „Club“ ist einmalig in Hannover, aber das große Vorbild ist der „Quatsch Comedy Club“.

Als wir den „Club“ vor zehn Jahren gegründet haben, haben wir uns natürlich am „Quatsch Comedy Club“ orientiert, der da gerade Zehnjähriges feierte und von Hamburg nach Berlin gezogen war. Heute sind wir ein vom Original anerkanntes Format und arbeiten gut zusammen. Wobei unser Programm etwas bunter ist, nicht so auf pure Comedy festgelegt. Eben „speziell“ und unterhaltsam.

Und wie läuft es für den „Club“?

Gut, aber was sehr merkwürdig ist: Unser Ruf ist vielleicht zu gut. Ich bekomme das manchmal mit, da denken Leute „Ach, das ist ja eh ausverkauft“. Dabei stimmt das gar nicht immer. Gerade bei den Shows um 17.30 Uhr sind oft noch Plätze frei. Wir haben den Ruf, immer ausverkauft zu sein. Dieser Ruf ist natürlich gefährlich.

Sie sind viel unterwegs, mit dem „Spezial Club“ und Soloprogrammen. Welchen Ruf hat Hannover in der Kleinkunst- und Comedyszene?

Der Ruf ist besser geworden. Ich höre manchmal, dass Kollegen sagen: Beim „Spezial Club“ wirst du gut behandelt - und das hannoversche Publikum ist gut. Wir haben da anscheinend etwas mitbewegt. Das ist schön.

Künstler, die beim „Spezial Club“ auftreten, sprechen von einer besonderen Atmosphäre. Wie sieht die aus?

Wir sind nur ein kleines Team, aber wir kümmern uns. Ich behandele die Künstler so, wie ich auch selbst gerne behandelt werde. Das ist leider nicht immer so, wenn man unterwegs ist.

Der „Spezial Club“ ist eine bunte Tüte, Zauberer, Jongleure, Wortakrobaten, Comedians. Wen laden Sie nicht ein?

Wir laden keine Stinkstiefel ein, auch nicht, wenn sie auf der Bühne gut sind. Ich habe einige Komiker nicht eingeladen, die einfach nicht zu uns gepasst hätten. Mario Barth zum Beispiel, als er noch nicht bekannt war. Und ich mag keine Provokateure, die einfach nur provozieren - sie müssen schon für etwas stehen.

Zehn Jahre läuft der „Club“ nun im Apollo-Kino Linden. Denken Sie nicht manchmal daran, dass es Zeit für ein eigenes Haus für den „Spezial Club“ ist?

Die Idee ist da. Jetzt muss nur noch jemand mit viel Geld kommen, der Lust auf Kleinkunst hat ...

Im Ernst: Wie sähe denn ein fester Spielort aus, und wo wäre er?

Ich mag schöne, alte Räume mit Geschichte. Bei den Wühlmäusen in Berlin, da wirkt der Raum selbst, wenn nur die Hälfte der Plätze belegt sind. Ein festes Haus hier in Hannover würde wohl eher in der Innenstadt stehen müssen als in Linden. Wenn ich mit dem „Club“ im Schauspielhaus bin und frage, wer schon mal beim regulären „Club“ in Linden war, gehen zu wenige Hände hoch.

Aber die Räume des Apollo-Kinos mögen Sie schon noch?

Das Kino ist toll, das Ambiente ist einfach wunderbar. Das ist wirklich etwas Besonderes. Die Umgebung auf der Limmerstraße ist schön bunt, auch die Läden in der Nähe sind abwechslungsreich.

Die ersten zehn Jahre sind vorbei. Wie geht es weiter?

So kann man das sicher nicht bis zur Rente machen. Ich möchte gerne die Marke „Spezial Club“ stärken, sodass ich mich da mittelfristig auch ein wenig rausziehen kann, vielleicht nicht mehr jede Show auch selbst moderiere. Mal sehen, ob wir das nach der nächsten Sommerpause ausprobieren. Und wir gehen sicher mehr auf Tour durch Niedersachsen.

Interview: Gerd Schild

Bei der Geburtstagsgala an diesem Freitag und Sonnabend im Theater am Aegi sind unter anderem Sascha Grammel, Eure Mütter, Sascha Korf und Dietmar Wischmeyer zu Gast. Karten gibt es an allen Vorverkaufsstellen, weitere Infos unter (0511)70030700 oder www.desimos-spezial-club.de.

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