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Kultur Ein gutes Paar: Rufus Wainwright und die Elphie
Nachrichten Kultur Ein gutes Paar: Rufus Wainwright und die Elphie
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23:21 26.08.2017
Quelle: Claudia Höhne
Hamburg

"Ich weiß, viele Fans sind heute hier - aber auch viele, die das Innere dieses Gebäudes sehen wollen", beginnt Rufus Wainwright den Abend mit dieser entwaffnend charmanten Art.

"Entdecken wir die Akustik also gemeinsam."Wainwright oszilliert seit zwanzig Jahren zwischen Pop, Oper und Musical - in weißen Pailletten-Schuhen und einem grün-gemusterten Anzug betritt er an diesem Abend die Bühne. Mit "Rufus Does Judy At Carnegie Hall" hatte Wainwright 2007 als sein sechstes Album einen Live-Mitschnitt veröffentlicht, der der amerikanischen Schauspielerin, die mit roten Zauberschuhen durch die Welt von Oz lief und zum Kinderstar avancierte, gewidmet war. Er kopierte damit bis ins Detail Garlands Konzert in der Carnegie Hall von 1961. Mit Songs wie "I Can't Give You Anything But Love", "Foggy Day" oder "You Go To My Head"  kommt der Glanz des Great American Songbooks, dieser Sammlung herausragender Stücke amerikanischer Unterhaltungsmusik, in den Konzertsaal der Elbphilharmonie. Wainwright spielt aber noch einiges mehr, unter anderem drei seiner vertonten Shakespeare-Sonette, die er auf seinem letzten Album 2016 herausgebracht hatte.  

Ganz intim, mal selbst spielend, mal von Mark Hummel am Klavier begleitet, scheint die Architektur des neuen Hamburger Wahrzeichens diese kraftvolle Stimme keineswegs zu verschlucken, sondern vielmehr eine angemessene Bühne zu bieten - besonders deutlich wird das, wenn er A-Cappella ganz ohne Mikrofon singt und sich an die unterschiedlichen Dynamiken tastet. Wainwright kann dabei seine stimmliche Energie entfalten, das Gefühl, das einen beim Hören der Alben zuweilen erschleicht - dass die Stimme zu gedrückt und damit zu eintönig wird - fegt er live vom Tisch: Es scheint, als sei seine Stimme für diesen Bau gemacht. Immer auch gestisch untermalend, keineswegs exaltiert, vielmehr reinstes Gefühl, ein körperlich wie stimmliches Fließen in die Musik hinein - genau diese Intensität zeichnet Wainwright aus. 

Leonard Cohens "Hallelujah", "Across The Universe" von den Beatles und Judy Garlands "Over The Rainbow" sind die wohl bekanntesten seiner Interpretationen, mit ihnen schließt er den knapp zweistündigen Abend unter fast vollständigen Standing Ovations. Es dürfte nicht nur die gemeinsam erforschte Akustik gewesen sein, die den Zuspruch des Publikums gefunden hat. 

 

Von Katharina Derlin 

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