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Kultur Ein schwieriges Gespräch mit Dan Auerbach
Nachrichten Kultur Ein schwieriges Gespräch mit Dan Auerbach
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19:52 17.07.2012
Von Marina Kormbaki
Dan Auerbach (links) hat schlechte Laune, der Anruf in Nashville gestaltet sich kompliziert.
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Hannover

Eigentlich hätte an dieser Stelle ein Interview stehen sollen. Eines mit Dan Auerbach, 33 Jahre alt, Sänger und Gitarrist des US-amerikanischen Bluesrockduos The Black Keys. Dan Auerbach ist kein sehr gesprächiger Typ. Was man natürlich wusste, schließlich hat man sich ja auf das Telefonat mit ihm vorbereitet. Hat recherchiert, die Alben noch mal durchgehört, in den Songtexten nach Themen gesucht. Was wiederum nicht nötig gewesen wäre, weil man als bis dato begeisterter Black-Keys-Hörer ja doch die meisten Zeilen im Kopf hat. Da geht’s viel um die amerikanische Provinz, ums Alleinsein, um Frauen, die schwer verliebte Typen darben lassen.

Ein Telefon klingelt in Nashville, Tennessee. Der PR-Mann geht ran, fragt: „Kannst du noch ’ne Sekunde dranbleiben?“ Na klar. Sekunden vergehen, Minuten auch. Eine Viertelstunde später verkündet der PR-Kontakt, dass Dan kurz sein Auto abholen sei, er komme aber gleich wieder. Man denkt an den rostigen Van, der auf dem Cover von „El Camino“ parkt, der aktuellen Platte der Black Keys. Ein weiß-brauner 94er Plymouth Voyager. Der rumpelt und quietscht wohl so wie die Songs auf der Platte. Irgendwo stand, dass Auerbach und sein Bandkollege Patrick Carney mit dem klapperigen Van früher mal durch die Staaten getourt sind. Lange bevor sie zu den derzeit einflussreichsten Rockbands zählten, lange bevor Ruhm und Erfolg ihnen... „Bist du noch dran?“, fragt der PR-Kontakt. Na klar. „Ich hab’ Dan für dich in der Leitung.“

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Ein grummeliges „Hihowareyou“ krümelt aus dem Hörer. Man erkundigt sich nach dem Auto. Dan fragt zurück, und es klingt eher wie ein Vorwurf: „Do you know what hail is?“ Hat er „hell“ gesagt? Nee, doch nicht. Dan spricht von Eis, das vom Himmel auf sein Auto regnete, von Hagel, viel „hail“, großer „hail“, das Auto musste in die Werkstatt. Vielleicht war die Reparatur sehr teuer, vielleicht hat der Kfz-Meister nicht jede Hageldelle ausgebeult - Dan ist jedenfalls nicht gut drauf. Man hört das.

Also Themenwechsel. So ein Leben als Rockstar - ist es so, wie er es sich vor 15 Jahren auf der Highschool erträumt hat? Pause. Immer noch. „Ich wollte nie Rockstar werden. Ich wollte immer nur Musik machen. Rockstargerede ist Erwachsenenbabyscheiße.“

Gut. Reden wir über den Blues. Schließlich gelten die Black Keys neben Jack White als Wiederbeleber des Mississippi-Klangs, ihr staubiges, schepperndes Spiel wird oft kopiert. Aber Dan will nicht über Blues reden. Genres interessieren ihn nicht, sagt er. Obwohl doch Songs wie das Grammy-prämierte „Tighten Up“ und das bollernde „Lonely Boy“ so schön alt klingen, nach Country Blues und Rockabilly?

Alt - neu; früher - heute: kümmert Dan alles nicht. „Es gibt gute Musik, es gibt schlechte Musik, und es gibt ein paar Sounds, die klassisch sind. Was wir machen, ist klassisch.“ Es rauscht, es knarzt, dann macht es klick. Dan? Hello? Die freundliche Stimme meldet sich wieder, der mithörende PR-Kontakt: „Ich schau’ mal, ob ich Dan zurück ans Telefon kriege.“ Man wartet, geht derweil die vielen noch nicht gestellten Fragen durch. Dann sagt die freundliche Stimme: „Hey, so sorry! Dan hat jetzt leider keine Zeit mehr.“

So sorry. Weil nach diesem Gesprächsversuch die Black Keys gar nicht mehr so locker, lässig und echt klingen wie vorher. Der iPod-Modus „Zufällige Titel“ weist tagelang eine statistische Verzerrung zugunsten der Black Keys auf. Die pure Audiotortur. Und die längst gekaufte Karte für das Black-Keys-Konzert am 14. August in der AWD-Hall steht zum Verkauf.

Aber nur für kurze Zeit und inzwischen nicht mehr. Weil die Black Keys ja doch richtig guten Rock’n’Roll zusammenzimmern. Und weil es deshalb schade wäre, den Abend des 14. August daheim zu verbringen. Und jetzt, wo alles gesagt ist, müssen wir ja nie mehr drüber reden.

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