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Kultur Ein zügiger "Parsifal" bei den Bayreuther Festspielen
Nachrichten Kultur Ein zügiger "Parsifal" bei den Bayreuther Festspielen
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02:15 31.07.2017
Lazarett- statt Waldszene - aus dem ersten Akt des „Parsifal“.
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Hannover

Den Bayreuther „Parsifal“ dirigiert Hartmut Haenchen - diesmal plangemäß. 2016 hatte er den kurz vor der Premiere abgesprungenen Andris Nelsons ersetzt.

Eigenes Notenmaterial

Schon damals brachte er sein eigenes Notenmaterial mit nach Bayreuth - den Musikern bleiben nur zwölf Tage Zeit, um es einzustudieren. In diesem Jahr wirkt seine Lesart entsprechend gefestigt: einleuchtend prägnant, farbenreich und zügig. Mit drei Stunden und 55 Minuten ist er fast eine Stunde schneller als Arturo Toscanini auf seiner berühmten Einspielung.

So klar die musikalische Darbietung ist, so unklar ist bisweilen die Inszenierung. Uwe Eric Laufenberg hat hier etwas fortgeführt, das er eigentlich für die Kölner Oper geplant hatte. Und das merkt man dem Bühnenbild an: Wie bedauerlich, dass Regisseur und Bühnenbildner Erich Jäkel die Möglichkeiten des Festspielhauses nicht ausschöpfen. Laufenberg versetzt das Stück in die Kriegswirren Syriens, in der Anfangsszene zeigt sich kein lichter Wald, sondern eine Kirche mit Betten für Flüchtlinge. Zuweilen stürmen Soldaten die Bühne, als einer von ihnen tritt Parsifal im zweiten Akt auf. Im dritten gehört er zu einer schwarz gekleideten Spezialeinheit. Vor allem die wahllos kombinierten Symbole irritieren; der Stoff wird von einem Sammelsurium religiöser Assoziationen überlagert. Schlüssig ist nur das letzte Bild, in dem ein fulminant singender Chor Requisiten verschiedener Religionen in das Grab Titurels wirft. Alle Religionen werden hier verabschiedet.

Glänzend sind die Sänger der Produktion: Andreas Schager erschüttert als Parsifal bis ins Mark nach dem Erkenntnis-Kuss von Kundry (sinnlich und stimmgewaltig: Elena Pankratova). Georg Zeppenfeld zeichnet Gurnemanz mit viel stimmlicher Farbe. Der zwölfminütige Applaus feiert vor allem die Sänger, den Chor und den 74-jährigen Haenchen, der 2018 wohl nicht mehr in Bayreuth zu erleben sein wird: Dann soll Semyon Bychkow den „Parsifal“ übernehmen.

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