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20:00 16.02.2015
„Die Diagonale ist der Ernstfall“: Gerd Winner zwischen seinen „Berlin Suites“. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Schwarz, Rot, Gold - die deutschen Nationalfarben kommen immer wieder auf diesen Werken von Gerd Winner vor. Doch der Maler und Grafiker produziert keine nationale Erbauungskunst. Der 68-Jährige nimmt sich vielmehr die Brüche und Widersprüche menschlicher Selbstinszenierung vor, die er in der Architektur der Städte aufspürt. Ein künstlerischer Niederschlag dieser Recherchen ist jetzt in seiner Ausstellung „Berlin - ohne Ende?“ in der VGH-Galerie zu besichtigen.

Winner, gebürtiger Braunschweiger, der nach dem Kunststudium in Berlin jahrzehntelang an der Kunstakademie München lehrte, war bei seiner architektonischen Spurensuche von New York bis Tokio fast rund um den Globus unterwegs. Und seit den Siebzigerjahren war er immer wieder in Berlin, um Motive für seine großflächigen Siebdrucke zu sammeln. Eine Auswahl der so entstandenen „Berlin Suites“ präsentiert Kuratorin Susanne Pfleger in der VGH-Galerie - Bilder, in denen Winner Motive der zerstörten, der geteilten und dann auch der wieder vereinigten Stadt aufgenommen hat.

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Darin verschränkt er monochrome Grundfarben zu komplexen Architekturcollagen von Motiven wie dem Brandenburger Tor oder der Siegessäule in meist rasant verlaufenden Diagonalen. „Die Diagonale“, sagt Winner, „ist der Ernstfall der Architektur, da verrutschen die Koordinaten, da droht der Einsturz.“

Seine Sensibilität für derart bedrohte und zugleich bedrohliche Architektur ist gewachsen, seit er den Einsturz urbaner Strukturen selbst erlebt hat. „Das war die Zerstörung Braunschweigs am 15. Oktober 1944“, sagt er und betont diese Zäsur: „Das war das Ende meiner Kindheit.“

Urbane Architektur zeugt für ihn von Verdichtung und Komplexität menschlicher Netzwerke, er nennt sie steingewordene Kultur, und das ganz ohne Huldigung, denn er spürt in seinen Werken auch architektonischer Fragwürdigkeit nach, dem Machtgepränge mit Repräsentationsbauwerken und dem Elend von Mietskasernen. Kein Wunder daher, dass er bisweilen Silhouetten schlichter Fensterreihen zwischen den wegkippenden Säulen des Brandenburger Tors auftauchen lässt. Dass die Reichstagsfronten düstere graue Blöcke bilden. Und die Quadriga auf dem Brandenburger Tor oder die Viktoria auf der Siegessäule bei ihm nicht nur schwarz-rot-golden sind, sondern bisweilen auch in fahles Blau, in Grau oder Schwarz getaucht.

„Die Stadt“, sagt Winner, „ist das Gesicht des Menschen.“ Es ist bei ihm von Macht, Gewalt und Krieg gezeichnet. Und entsprechend verzerrt.

Gerd Winner: „Berlin - ohne Ende?“. Bis 30. April in der VGH-Galerie, Schiffgraben 4, geöffnet täglich von 11 bis 17 Uhr.

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