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Kultur Seminar Natur
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00:15 05.04.2014
Von Uwe Janssen
Foto: Unendliche Weiten: Eivør.
Unendliche Weiten: Eivør. Quelle: von Ditfurth
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Hannover

Etwas schüchtern kommt die blonde Frau aus der schmalen Tür an der Bühnenrückwand in den kleinen Saal des Pavillons am Raschplatz. Mit ihrem langen hellen Kleid, den offenen Haaren und den bloßen Füßen sieht sie aus wie aus der Timotei-Shampoo-Werbung, und wenn das damals Naturverbundenheit symbolisieren sollte, dann liegt man gar nicht so falsch bei Eivør Pálsdóttir.

Die Musikerin von den Färöer-Inseln ist ein Naturmensch mit einer sensationellen Stimme. Ihre Songs jedoch sind geprägt von technischen Effekten. Zusammen mit Mikael Blak an Bass und Tasten schwebt sie anderthalb Stunden hinfort. Sie singt auf Englisch und Färöisch, oft singt und hält und formt und moduliert sie nur lange Töne, die sich mit vielen Hall- und Echoeffekten in der begrenzten Unendlichkeit des kleinen Pavillonsaals verlieren. Das kann wunderschön und leicht sein, wenn sie sich selbst auf der Gitarre oder bei einem Schlaflied auf der Kalimba begleitet. Das kann mitreißend sein, wenn sie die Bodhran-Trommel spielt und dazu wundersame, kehlige, spitze, perkussive Geräusche zu einem kleinen Ambientkunstwerk formt.

Aber: Der Raum nervt. Er strahlt die Wärme, die von der Bühne kommt, nicht zurück. Mit seinen kahlen Wänden, grauen Türen und aufgereihten Stühlen verströmt der Saal sachliche Seminarraumatmosphäre, zudem vibriert alles hörbar, wenn Blak den viel zu lauten, matschig klingenden Bass bedient. Die Tür auf der Bühne ist – hoffentlich nicht mehr lange – unverkleidet. Immerhin machen die Musiker artig das kalte Licht im Backstageraum aus, als sie zur Zugabe zurückkehren.

Das Konzert hätte eine heimeligere Umgebung verdient gehabt. Der Pavillon holt viele großartige Künstler, die genau so eine warme Stimmung brauchen. In  diesem Raum ist das schwer vorstellbar.

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