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Kultur Elisabeth Schweeger präsentiert Programm der Kunstfestspiele
Nachrichten Kultur Elisabeth Schweeger präsentiert Programm der Kunstfestspiele
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21:49 05.03.2013
Von Ronald Meyer-Arlt
Intendantin Elisabeth Schweeger.
Intendantin Elisabeth Schweeger. Quelle: Akbaba
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Hannover

Die Kritik war deutlich: Die Kunstfestspiele Herrenhausen seien zu elitär, sie erreichten zu wenig Zuschauer, und sie hätten kaum etwas mit der Stadt zu tun. So äußerten sich Politiker der Opposition im Rat der Stadt Hannover. Roger Cericius, der Vorsitzende des Freundeskreises Hannover, wagte sich im Dezember aus der Deckung und warnte offen davor, den Vertrag mit Elisabeth Schweeger, der Intendantin des Festivals, zu verlängern. Sorge bereitete den Kritikern vor allem das ihrer Meinung nach zu geringe Zuschauerinteresse. „Es kann nicht sein, dass man die Besucher in die Konzerte tragen muss“, sagte Cericius. Dann sprach Stephan Weil – damals noch Oberbürgermeister – ein Machtwort, Schweegers Intendantenvertrag, der bis ins Jahr 2014 reichte, wurde um zwei Jahre verlängert, und eine Neuausrichtung der Festspiele in Angriff genommen.

Nun präsentierte die Intendantin das Programm der vierten Ausgabe der Kunstfestspiele Herrenhausen – und reagierte auf ihre Weise auch auf die Kritik. Das Plakat der Kunstfestspiele 2014 zeigt einen Gartenzwerg. Das ist einerseits ein Seitenhieb gegen ihre Kritiker, aber es passt andererseits auch zum Thema. Denn das Motto der Kunstfestspiele lautet in diesem Jahr „Heimat Utopie“ – ohne Gedankenstrich, ohne Punkt und Komma. Mit Musiktheaterproduktionen, Performances, Konzerten und Kunstinstallationen wollen sich die Festspiele den Utopien und der Heimat widmen. Beides sei wichtig, findet Schweeger, denn um das Neue zu wagen, müsse man sich mit dem kulturellen und geistigen Erbe auseinandersetzen.

Heimat ist der Intendantin nicht nur programmatisch wichtig, sondern auch personell. Schweeger scheint sich die Kritik an der eher lückenhaften Verbindung des Festivals mit dem Kulturschaffen der Stadt zu Herzen genommen zu haben. Bei den neuen Kunstfestspielen werden jedenfalls erstaunlich viele Künstler und Kulturschaffende aus Hannover in Herrenhausen auf den Bühnen stehen. Am 11. Juni etwa präsentiert der Mädchenchor Hannover zusammen mit dem „Ensemble S“ eine Uraufführung in der Orangerie. In „L’Idôle“ von Vinko Globokar – einem Stück für Mädchenchor und vier Schlagzeuger – geht es um die hysterischen Schreie von Fans eines Popsängers. „Das verlangt den Mädchen einiges ab“ sagte Schweeger bei der Vorstellung des Programms. Die Produktion, bei der Romanzen von Robert Schumann und Johannes Brahms die Globokar-Uraufführung kontrastieren, wird eigens für die Festspiele erarbeitet. Einen weiteren Interessenten dafür gibt es bereits. Nach den Festspielen wird der Mädchenchor das Programm in Ljubljana aufführen.

Aus Hannover kommt auch das Kammerorchester musica assoluta, das unter der Leitung von Thorsten Encke am 2. Juni die musikalische Begleitung von Suzie Templetons Animationsfilm „Peter & der Wolf“ nach Sergej Prokofjew übernehmen wird. Kompositionsschüler von Rebecca Saunders an der hannoverschen  Hochschule für Musik, Theater und Medien werden am 2. Juni ein Flanierkonzert im Großen Garten geben. Und mit Igor Levit wird ein renommierter Klavierkünstler aus Hannover beim Festival dabei sein. Am 9. Juni tritt er zusammen mit dem Komponisten Frederic Rzewski auf.

Aber die Intendantin will das Festival noch auf andere Weise in der Stadt verankern. Für einzelne Veranstaltungen wird es Paten geben, die persönlich Werbung für die Festspiele machen werden. Neben anderen haben bereits zugesagt: Bürgermeister Bernd Strauch, Künstler Hannes Malte Mahler, Schauspielintendant Lars-Ole Walburg und Museumsdirektorin Gisela Vetter-Liebenow. Auch Erwin Schütterle ist dabei. Und zwar in seiner Funktion als neuer Kulturbeauftragter des Freundeskreises Hannover. Zu den Konzerten getragen werden die Zuschauer also nicht. Sie werden prominent begleitet.

Einige Höhepunkte aus dem Programm

  •  1. Juni, 18 Uhr: Eröffnung der Kunstfestspiele in der Orangerie. Die Festrede hält Wolf D. Prix, Gründer und Chef des Architekturbüros COOP Himmelb(l)au.
  • 1. Juni, 19.30 Uhr: Uraufführung von „Atlas – Inseln der Utopie“ in der Galerie Herrenhausen. Komponist: José María Sánchez-Verdú, Regie: Sabrina Hölzer. Im Anschluss an die Aufführung wird die Regisseurin mit dem von der Forberg-Schneider-Stiftung vergebenen „Belmont-Preis 2013 für zeitgenössische Musik“ ausgezeichnet.
  • 6. Juni, 20 Uhr: „A-Ronne II“ von Luciano Berio in der Orangerie. Regie und Konzept: Ingrid von Wantoch Rekowski.
  • 8. Juni, 20 Uhr: „Inszenierte Nacht“ in der Orangerie. Der dänische Komponist Simon Steen-Andersen treibt ein Spiel mit berühmten Nachtmusiken von Bach, Schumann, Mozart und Ravel.
  • 12. Juni, 20 Uhr: „Hojotoho – Eine Wagner-Blech-Comedy“ in der Orangerie mit Mnozil Brass, die als Monty Pythons der Blasmusik gehandelt werden.
  • 14. Juni, 16 Uhr: „The House of our Fathers“ in der Galerie. Installation des belgischen Regisseurs Jan Lauwers, der im Haus seines verstorbenen Vaters eine Sammlung sonderbarer Gegenstände entdeckte.
  • 21. Juni: „When the Mountain changed its Clothing“ von Heiner Goebbels mit dem Vocal Theatre Carmina Slovenica, Orangerie.
  • Täglich: Installationen von Erwin Stache, Michael Sailstorfer, Hannes Malte Mahler und Szenografie-Studenten der Hochschule Hannover.