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Kultur Emmerich hat Potsdam ein neues Theater geschenkt
Nachrichten Kultur Emmerich hat Potsdam ein neues Theater geschenkt
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14:13 02.05.2010
Regisseur Roland Emmerich (Mitte) und sein Team während der Dreharbeiten zum Kinofilm „Anonymous“. Quelle: dpa
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Hier werden die Stücke William Shakespeares aufgeführt. Der englische Dichter (1564-1616) ist das neue Thema des deutschen Regisseurs, der sich zu den Dreharbeiten für „Anonymous“ derzeit auf dem Gelände von Studio Babelsberg vor den Toren Berlins aufhält - und so seine Ankündigung, sich vom Katastrophenfilm abzukehren, perfekt macht.

Mit Hunderten Komparsen werden in dem spektakulären Theaternachbau, in dem Platz für mehr als 1000 Menschen ist, Szenen wie diese gedreht: Heftiger Applaus brandet auf. Die Theaterbesucher wollen den Autoren des soeben über die Bühne gegangenen Stückes neben seinen Schauspielern sehen. Ein Mann kommt hervor, verbeugt sich - und wirkt unbeholfen, weil er nicht so recht weiß, was er sagen soll. Dieser Mann, der nach der Aufführung von „Henry V.“ auf die Bühne gerufen wird, wird William Shakespeare genannt. Aber ist er wirklich der gefeierte Autor, aus dessen Feder das Stück stammt?

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Diese Frage beschäftigt nun also Emmerich (54), der bislang mit Filmen wie “2012“ und „Independence Day“ die Kinos füllte. Der neue Streifen werde politisch und kontrovers, sagte er am Donnerstag vor Journalisten mitten im Kulissen-Theater. Nicht nur die Debatte um die Autorenschaft Shakespeares (Rafe Spall) stehe im Mittelpunkt des 30- Millionen-Dollar-Films, es gehe auch um die Regentschaft von Königin Elizabeth I. von England (Vanessa Redgrave). Für den Film musste das weitgehend verschwundene London des 16. Jahrhunderts mit seinen Fachwerkhäusern und Brücken auferstehen. Daher setzt Emmerich mit seinem Team auf viel Computertechnik.

„Wir müssen tausende 3-D-Modelle bauen“, sagte Marc Weigert, der mit Oscar-Preisträger Volker Engel für die Spezialeffekte zuständig ist. Eingesetzt werde auch eine Technik, die so noch nicht angewandt worden sei: Normale Fotos, auf denen etwa historische englische Gebäude zu sehen sind, erscheinen dreidimensional, so dass der Zuschauer denkt, die Schauspieler bewegten sich in Räumen.

Mit dem Film „Anonymous“, der bis etwa Juni komplett in Babelsberg entsteht, dreht Emmerich seit langem wieder in Deutschland. „Ich wollte immer zurückkehren“, sagte er. „Ich habe schrecklich Spaß.“ Er sei stolz darauf, den Film mit englischen Schauspielern so zu machen, wie er es wolle. In Hollywood wäre das sehr hart geworden, einen Film wie diesen zu drehen. Drehbuchautor John Orloff sagte, in „Anonymous“ gehe es um Kreativität und die Kraft der Worte.

Ob das Werk Shakespeares tatsächlich von ihm selbst geschrieben wurde, ist umstritten. Expertin und Emmerich-Beraterin Lisa Wilson sagte am Donnerstag am Drehort vor den Toren Berlins, dass diese Frage schon Mark Twain, Charlie Chaplin und Sigmund Freud beschäftigt habe. Nun also auch einen Filmregisseur.

Einige Zweifler seien davon überzeugt, dass der Earl of Oxford der Urheber der Shakespeare zugeschriebenen Werke ist, erläuterte Wilson. Andere wiederum sähen eine Gruppe von Autoren als verantwortlich an. Die Zweifler bezögen sich etwa darauf, dass Shakespeares Schulbildung kaum ausgereicht haben dürfte, um Meisterwerke wie „Hamlet“ oder „Der Kaufmann von Venedig“ zu schreiben. Zudem existierten keine ihm zugeschriebenen Manuskripte oder Briefe.

Diejenigen, die die These vertreten, dass Shakespeare nicht der Autor ist, lägen vermutlich nicht falsch, meinte Filmemacher Emmerich. Rhys Ifans stellte sich in der auf Englisch abgehaltenen Pressekonferenz am Donnerstag jedenfalls mit unmissverständlichen Worten vor: „Ich spiele den Earl of Oxford, den Autoren der Werke.“

Was am Ende auch immer herauskommen mag: Im vergangenen Jahr hat Emmerich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa bereits klargestellt, was er von seinem neuen Film erwartet: “Über ihn werden sich viele Leute aufregen, weil ich mehr oder weniger ein Monument vom Sockel stürze, das seit 400 Jahren angebetet wird.“

dpa