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Kultur Kung Fu in Rosa
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00:15 11.11.2013
Erdmöbel-Sänger Markus Berges
Foto: Erdmöbel-Sänger Markus Berges Quelle: von Ditfurth
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Hannover

Die Show ist rosarot. Markus Berges, der Sänger und Songschreiber der Band Erdmöbel, trägt eine rosafarbene Stoffjacke mit Stehkragen und Bündchen an den Ärmeln. Er singt, so markant wie man ihn kennt: „77. Liebe“. Im Publikum umarmen die Männer ihre Frauen von hinten und wippen im Takt. Aber kitschig ist es natürlich trotzdem nicht, Erdmöbel kann gar nicht kitschig sein. Eher retro. Und abstrakt.

Das mit dem Rosa passt zum Plattencover. Das neue Album „Kung Fu Fighting“ ist im September erst erschienen, auf dem Foto vorne auf der CD läuft ein kleines Mädchen durch ein Meer rosafarbener Blumen. Zurzeit ist die Band, die schon vor 16 Jahren ihr erstes Album herausgebracht hat, auf Deutschlandtour, um ihre neuen Lieder vorzustellen. Am Donnerstagabend waren sie zu Gast im Musikzentrum Hannover.

„Wenn ihr in den nächsten Tagen auf unsere Internetseite geht, könnt ihr da ein neues Video finden“, kündigt Produzent und Bassist Ekki Maas zwischen zwei Liedern an. „In dem ich mich ausziehe“, ergänzt Markus Berges. „Bis aufs Hemd“, sagt Ekki Maas. „Bis aufs Unterhemd“, Markus Berges. „Langärmlig“. „Nein kurzärmlig.“ Und dann spielen sie den Song zu dem neuen Video, „Cardiff“.

Erdmöbel machen poppige Musik, instrumental äußerst professionell und – das ist ihr Markenzeichen – Markus Berges liebt Texte mit kryptischen Wortfolgen. Zum Beispiel im neuen Titelsong: „Was in Erinnerung bleibt, ist der Parkplatz, ist die Dämmerung. Wer vorher nachher, ohohoho, Frisiersalon.“ Und dann geht es weiter mit Kaffeesatz, Versicherung – und Kung Fu Fighting als Klingelton. Was seine Wörter im Zusammenhang bedeuten sollen, bleibt der Fantasie jedes einzelnen überlassen. Und das ist das Besondere an Erdmöbel.

Die Kölner Band hat sich deutschlandweit eine kleine, feine Fangemeinde erspielt. Das Musikzentrum war nicht brechend voll, dafür waren die meisten im Publikum textsicher. Und erstaunlich viele von ihnen trugen eine schwarze Rahmenbrille, Männer wie Frauen, gebildet - und mit Bierflasche in der Hand. Das Publikum von Erdmöbel ist recht homogen.

„Der Taxifahrer hat gesagt, in Hannover soll es die schönsten Stimmen geben“, sagt Berges. Lachen im Publikum. Und eine Frauenstimme ruft: „Kannst du dir überhaupt ein Taxi leisten?“ “Nein“, antwortet Berges und spielt den ersten Akkord zum nächsten Lied. „Aber Fantasie.“

Anne Grüneberg

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