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Kultur Erklärung 2018 zieht weite Kreise
Nachrichten Kultur Erklärung 2018 zieht weite Kreise
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13:39 02.04.2018
Die DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld ist eine der Protagonistinnen der „Erklärung 2018“. Quelle: dpa
Berlin

„Die Mainstream-Medien sind unsere besten Freunde“, sagt Vera Lengsfeld. „Ohne Ihre Aufregung über die Erklärung 2018 hätten wir niemals diese Resonanz bekommen.“ Vor gut zwei Wochen hatten 34 Schriftsteller, Publizisten und andere Intellektuelle ein Bekenntnis mit zwei dürren Sätzen in die Welt gesetzt. Uwe Tellkamp, Thilo Sarrazin, Vera Lengsfeld, Ellen Kositza und andere forderten ein Ende der „illegalen Masseneinwanderung“ und solidarisierten sich mit „denjenigen, die friedlich dafür demonstrieren, dass die rechtsstaatliche Ordnung an den Grenzen unseres Landes wiederhergestellt wird“. Auch in dieser Zeitung wurde die Erklärung kritisch besprochen - befremdlich schien vor allem die undifferenzierte Nähe zu allen Demonstranten in Dresden, Cottbus, Kandel und anderswo, von denen nicht alle den Rechtsstaat hochhalten. Dort laufen eben auch solche mit, die ihn nur zu gerne abschaffen wollen. Der Schriftsteller Ingo Schulze sagte, er wolle die Initiatoren gemeinsam mit Flüchtlingen an einen Tisch bringen.

Die Erklärung zog - trotz und wegen der Kritik- ihre Kreise. Die Verlegerin Kositza, Ehefrau des rechtsextremen Vordenkers und Strippenziehers Götz Kubitschek, musste zwar mach Protesten anderer Erstunterzeichner ihren Platz auf der Liste räumen. Ebenso wurde ein NPD-Kader, der seine Partei-Rolle verschwiegen hatte, nach einem freundlichen Hinweis des Mainstreams wieder getilgt. Die Liste aber wuchs täglich. Nun ist sie keine Liste mehr, sondern eine Petition an den Deutschen Bundestag und hat nach Angabe der Initiatoren bereits mehr als 25.000 Unterschriften erreicht.

Es wird an sogenannte bürgerliche Konservative appelliert

Die Solidarität mit Cottbus, Kandel und anderen Aufmärschen spielt keine Rolle mehr, gefordert wird nun eine Kommission, um die Bundesregierung in Sachen „Maßnahmen gegen den Kontrollverlust“ und Einwanderungsrecht zu beraten. Mögliche Teilnehmer seien unter anderem der Verfassungsrechtler Udo di Fabio, die Rechtsanwältin Seyran Ates und die langjährige Berliner Ausländerbeauftragte Barbara John. Namen, die über jeden Verdacht erhaben sind. Angefragt ist allerdings bisher keiner von ihnen, schließlich gebe es die Kommission ja noch nicht, sagt Vera Lengsfeld. Doch die Mainstream-Medien spielen bereits wieder mit, es gab drei Minuten in den Tagesthemen am Ostersonntag.

Zu beobachten ist, wie mit sanftestmöglicher Abgrenzung zur Neuen Rechten versucht wird, so genannte bürgerliche Konservative aus dem ebenfalls so genannten Mainstream herauszulösen und für AfD-nahe Positionen anschlussfähig zu machen. Dafür werden auch die dünn gesäten bürgerlichen Widerstandssymbole Deutschland verwendet: Anfang Mai hat der Wirtschaftswissenschaftler und AfD-Unterstützer Max Otte das „Neue Hambacher Fest“ angemeldet, auch Sarrazin und Lengsfeld sowie AfD-Chef Jörg Meuthen sollem bei der angestrebten Neuauflage der patriotisch-revolutionären Feier von 1832 teilnehmen. Und einige aus der Berliner Runde, aus der die „Erklärung 2018“ stammt, nennen sich schon „Neuer Kreisauer Kreis zu Berlin“, angelehnt an die schlesische Widerstandsrunde von 1942/43 um Helmuth James von Moltke und Yorck von Wartenburg. Ein Name, der bei anderen Initiatoren indigniertes Kopfschütteln auslöst. Nur nicht übertreiben.

Erklaerung2018.de

Von Jan Sternberg/RND

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