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Kultur „Hast du einen Hammer da?“
Nachrichten Kultur „Hast du einen Hammer da?“
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00:15 17.05.2015
Von Martina Sulner
Brüder im Geiste: F. W. Bernstein (l.) und Dietrich zur Nedden. Quelle: Marta Krajinović
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Hannover

Vielleicht sind es tatsächlich verwandte Seelen, die da sitzen: F. W. Bernstein, sagt Dietrich zur Nedden zum Auftakt des Abends, habe - wie er auch - am 4. März Geburtstag. Manchmal neige man ja zum magischen Denken und messe solchen Übereinstimmungen besondere Bedeutung bei, sagt der Gastgeber des „Oblong Odyssee“-Abends im hannoverschen Literaturhaus. Jedenfalls sei sein Leben, seit er von dem gemeinsamen Geburtstagsdatum wisse, eine „einzige Jubelei“.

Bernstein schaut da ziemlich skeptisch zu seinem Moderator herüber. So, als wisse er nicht recht, was er von solch einer Erklärung halten solle - ernst gemeint? Bewundernd? Satirisch? Wie der Gast überhaupt an diesem Abend öfter einmal zweifelnd über den Rand seiner Brille blickt - mal zum Gastgeber, mal zum Publikum. Das ist dem 77-Jährigen, der sichtlich Mühe hat, die zwei Stufen auf das Podium zu bewältigen, zugetan. Da sitzt ja schließlich auch jemand, dessen Werk die meisten der Besucher durch ihr Leben begleitet hat: die frühen Arbeiten in der „Pardon“ und später der „Titanic“, die zahlreichen Buchveröffentlichungen, und erst vor zwei Jahren hat das hannoverschen Wilhelm-Busch-Museum eine Ausstellung über den Mitbegründer der Neuen Frankfurter Schule präsentiert.

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Er liest Gedichte und Prosa; seine Geschichte „Das Bimssteinzimmer“ unterbricht er, ganz Satiriker, nach einer Weile und bemerkt: „Das geht noch lange so weiter; ich verschone Sie damit.“ Es gibt Gedichte aus der Kategorie Sprachtheorie („Herr Doktor, da lief doch was schief? / Ist es wegen dem Konjunktiv?“) und etwas „Monetenlyrik“ („Die Wissenschaft hat festgestellt / dass Blutwurst selten Geld enthält“). Ein paar Karikaturen zeichnet F. W. Bernstein auch. Eine zeigt den Geheimrat Goethe - „das war jetzt mein Goethelehrgang“, sagt der Gast.

Soll man das denn jetzt wichtig nehmen mit dem gemeinsamen Geburtstag der beiden? Zumindest ähneln sich Bernstein und zur Nedden in ihrem Umgang mit der Technik: Als sie nicht in der Lage sind, den Laptop zu bedienen, um einige Karikaturen auf der Leinwand zu zeigen, wirken beide gleichermaßen freundlich-verpeilt. Ungläubig starrt Bernstein auf das Gerät, als könne es gleich ein Eigenleben entwickeln, und er fragt den Gastgeber: „Hast du einen Hammer da?“ Hat er nicht, dafür aber seinerseits ein paar Gedichte und Lieder. Auch schön.

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