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Kultur Faber zeigt brachiale Leidenschaft
Nachrichten Kultur Faber zeigt brachiale Leidenschaft
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00:16 28.10.2017
Julian Pollina alias Faber.
Julian Pollina alias Faber. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Brachial – kaum ein Wort beschreibt Julian Pollina, alias Faber, besser. Mit halboffenem Mund, wippender Haartolle und geballten Fäusten lechzt er Zeilen wie „Bleib dir nicht treu“ ins gröhlende Mittdreißiger-Publikum. Dabei verausgabt er sich bis zum Äußersten: Sein ganzer Körper zittert, wenn der 24-Jährige mit rau-kratziger Stimme singt, die klingt, als gehöre sie eigentlich einem kettenrauchenden Uropa. Mal vor Wut über schamlose Objektifizierung („Brüstebeinearschgesicht“), mal berührend-ernsthaft wie in „In Paris brennen Autos (und in Zürich mein Kamin)“. Jedes Lied strotzt nur so von derber Eindringlichkeit.

Bilder vom Faber-Konzert im Capitol in Hannover.

Ganz ohne Opfer geht das nicht: „Ich hab’ meine Gitarre kaputt gemacht“, nuschelt der Zürcher grinsend und verschwindet, um die Saite wieder aufzuziehen. Macht nichts. Seine vier Bandmitgliedern, die mit langen Haaren, offenen Hemden und runden Brillen aussehen, als hätten sie einfach ihre Jam-Session aus der Studenten-WG ins Capitol verlegt, improvisieren. Tillmann Ostendarp bratzt mit der Posaune, während seine besockten Füße den Takt an den Drums vorgeben und Janos Mijnssen spielt einen Keyboard-Solo – Balkan-Pop mit Punkattitude. 

Faber flirtet mit dem Bassisten, beim Albumtiteltrack „Sei ein Faber im Wind“ knutschen seine Bandmitglieder. „Ich mach das nicht für euch“, sagt Faber halbironisch bei der dritten Zugabe. Klar, das Publikum ist auch da, aber die Mittzwanziger auf der Bühne wollen vor allem eins: Spaß haben. Die letzte Tour haben sie noch mit dem Zug absolviert, das geht nun nicht mehr wegen des ganzen Equipments. Die pure Energie, die es braucht, um als Akustikband einen kleinen Club akustisch auszufüllen, haben sie mitgenommen in die größeren Hallen. Fabers erste EP wurde 2015 noch mit Crowdfunding finanziert, in diesem Jahr hat er sein Debütalbum „Sei ein Faber im Wind“ veröffentlicht und das Musikzentrum war schnell zu klein für die 1200 Leute, die heute gekommen sind. Eine Stunde dauert das Konzert im Capitol, fast noch eine Stunde erklatscht sich das Publikum eine Zugabe nach der andern. 

Von Kira von der Brelie