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Nachrichten Kultur Fabulous Beast Dance Theatre bei Movimentos
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12:03 29.04.2013
Von Stefan Arndt
Foto: Starke Tiere in Wolfsburg.
Starke Tiere in Wolfsburg. Quelle: dpa
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Wolfsburg

Schlimme Kratzer durchziehen das Holz, das an den Rändern übersät ist mit dunklen Flecken. Wer hier statt an Ballett an Dans op de Deel denkt, liegt wohl nicht so ganz falsch: Tatsächlich erweist sich der Tanzstil des irischen Ensembles als so ruppig und folkloristisch, wie man es an diesem Ort sonst nicht gewohnt ist.

Dabei hat Choreograf und Company-Chef Michael Keegan-Dolan echte Klassiker in Szene gesetzt: die Strawinsky-Ballette „Le Sacre du Printemps“ und „Petruschka“, die in Wolfsburg statt von einem Orchester live von zwei Pianisten begleitet werden. Archaisch geht es zu in Strawinskys „Frühlingsopfer“. Da passt es nicht schlecht, dass die Tänzer, die zunächst wie Auswanderer des 19. Jahrhunderts im Bühnenschnee stehen, manchmal stampfen und springen, als seien sie auf einem Irish-Folk-Festival.

Doch Keegan-Dolan begnügt sich nicht mit einer Erzählebene. Er überhöht die Auswahl und Anbetung eines Menschenopfers zu Ehren des Frühlings mit oftmals rätselhaften, trotz mancher Grobheit immer auch poetischen Bildern. Dass die Tänzer Tiermasken aus den Pappkartons ziehen, mit denen sie zu Beginn von einer geheimnisvollen Urmutter ausgestattet wurden, ist dabei noch vergleichsweise leicht zu deuten: Schließlich fallen hier alle Figuren übereinander her. Jeder ist Täter und Oper in einer Person – auch wenn es nach dem Schlussakkord nur noch einem einzigen Menschen an den Kragen geht.

Ergänzt wird der starke Auftakt durch eine „Petruschka“-Version, bei der die weitverbreitete Schwarz-Weiß-Ästhetik auch in Keegan-Dolans Tanztheater Einzug hält. Die archaischen Figuren aus dem ersten Teil sind als Zitat am Bühnenrand gerade noch präsent, und das Alle-für-einen-Prinzip wird in eine Vielzahl von Petruschka-Puppen wieder aufgenommen. Jeder Tänzer kann dabei einen eigenen, durchaus nicht immer puppenhaften Stil präsentieren. Nur als Gruppe müssen sie an Anweisungen der rätselhaften Spielleiterin am Bühnenrand Folge leisten. Am Ende gibt es dann aber eine Himmelfahrt via Strickleiter – so rätselhaft, berührend und schön wie der ganze, begeistert gefeierte Abend.

Am 2. und 3. Mai gastiert bei den Movimentos-Festwochen Klaus Maria Brandauer mit Becketts „Das letzte Band“ in der Inszenierung von Peter Stein im Theater Wolfsburg. Dafür gibt es noch Restkarten. Ausverkauft ist dagegen das Konzert von Rammstein am 4. und 5. Mai im Kraftwerk. Weitere Informationen unter: www.movimentos.de .

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