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Kultur „Falco“ begeistert das Publikum in Hannover
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02:17 11.04.2018
Große Geste, Brille, Fliege: Alexander Kerbst (Mitte) als Falco im Theater am Aegi. Quelle: Heusel
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Hannover

 Provokative Texte, affektierte Attitüde und geschniegeltes Outfit – Falco war der Rebell unter den Popmusikern der Achtzigerjahre. Bekannt wurde der Österreicher zunächst mit der Polit-Rock-Band Drahdiwaberl, deren erster Hit „Ganz Wien" zum Kultsong in der Wiener Szene wurde – nicht zuletzt, weil das Lied wegen seiner Drogenassoziationen im Radio verboten wurde. „Skandal! Schlagzeile! Das ist gut!“, weiß auch Bühnen–Falco (Alexander Kerbst) in „Falco – das Musical“ von Regisseur Peter Rein, dass am Sonnabend im ausverkauften Theater am Aegi gespielt hat.

Um Hans Hölzel, wie Falco eigentlich heißt, ranken sich seit jeher diverse Erzählungen: Er ist das einzige überlebende Kind aus einer Drillingsgeburt. Bereits mit vier Jahren bekommt „der kleine Mozart“, wie ihn seine Mutter angeblich nennt, Klavierunterricht. Später bescheinigt ihm die Wiener Musikakademie ein absolutes musikalisches Gehör – da passt es fast zu gut, dass Falco mit der Mozart-Huldigung „Rock me Amadeus“ 1986 international bekannt wurde.

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Glatt und aufpoliert

Erzählt wird die Lebensgeschichte auf der Bühne von seinem Manager und Weggefährten Horst Bork (Sebastian Achilles), der schon 2009 in der Biografie „Falco – Die Wahrheit“ seine Falco-Analyse zum Besten gab. „Wer war dieser Falco wirklich?“, fragt der großspurig im Theater am Aegi. Gezeigt wird das vorallem durch eine glitzernde Bühnenshow mit ganzer Tänzer-Entourage: Alexander Kerbst singt mit Sonnenbrille, Fliege, und ausladender Gestik etwas über zwei Stunden Falco-Hits wie „Der Kommissar“ oder der Skandal-Song „Jeanny“, während die knapp bekleideten Tänzer hinter ihm Choreos tanzen. Jedes Lied ist eine wilde Party. Falco ein Macho, der den Tänzerinnen wie selbstverständlich an den Hintern grapscht und sich ansonsten am liebsten mit sich selbst beschäftigt. 

Die Imitation glückt rein optisch, stimmlich ist Kerbst zu glatt und aufpoliert – das klingt mehr nach Schlagermusiker, als nach heiserem Punk-Rokoko. Aber die gespreizte Falco-Sprache aus Englisch, Hochdeutsch und Österreichisch, ist auch gar nicht so einfach zu imitieren. Die Zuschauer honorieren die Mühe, klatschen und jubeln anhaltend nach jedem Lied. Am Ende stehen sie auf, reißen die Arme hoch und tanzen so gut es geht in den Sitzreihen zu „Rock me Amadeus“.

Aber je größer der Erfolg wird, desto mehr wird Falco von Selbstzweifeln zerfressen. „Das schaffe ich nie wieder“, sagt er etwa nachdem er als erster deutschsprachiger Künstler mit „Rock me Amadeus“ einen Nr-1-Hit in den USA hat. Die mentalen Krisen des alkohol- und drogensüchtigen Musikers werden jedoch allenfalls oberflächlich abgehandelt: Dann sitzt er alleine vor dem Spiegel, trinkt „nicht nur Apfelsaft“, halluziniert oder zieht weißes Pulver mit breitem Grinzen durch die Nase – Sucht, wie man sie sich ausdenkt. Es ist sehr plakativ und auch die kurzen Dialoge bleiben trotz nachdenklicher Sätze wie „Realität ist eine Halluzination, die durch die Abwesenheit von Alkohol entsteht“, irritierenderweise eindimensional. 

Erst als Falco im Zwiegespräch mit einer Handpuppe über die Bedeutung von Musik nachdenkt, bekommt die Bühnenhandlung Tiefe. „Manchmal vergaß ich mich beim Musikmachen selbst. Das waren die schönsten Momente“, sagt er dann etwa. Den großen Erfolg hat er da längst hinter sich.

Das nächste Musical im Theater am Aegi ist „Elvis – Das Musical“ am 6. Mai.

Von Kira von der Brelie

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