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Kultur Fantasygeschichte erstmals auf Deutsch
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18:38 10.07.2012
Von Martina Sulner
Heiko Postma hat „Lebwohl Miss Julie Logan“ ins Deutsche übersetzt. Quelle: jmb
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Hannover

Der junge Pastor Adam Yestreen ist ein sittenstrenger und rationaler Mann: Er meidet Alkohol und andere Vergnügungen, und an Gespenster und Geister glaubt er selbstredend nicht. Gerade hat er seine erste Pfarrstelle in einem schottischen Tal angetreten. Als im Winter das Tal nach Schneestürmen von der Außenwelt abgeschnitten ist, gehen merkwürdige Veränderungen vor: Der asketische Yestreen lässt sich von einer jungen Frau bezirzen – doch existiert diese Julie Logan überhaupt? Oder ist sie nur das Hirngespinst eines Vereinsamten?

„Lebwohl Miss Julie Logan“ heißt die 1931 veröffentlichte Geschichte von James Matthew Barrie. In Deutschland ist der Autor – geboren 1860 in Schottland, gestorben 1937 in London – durch sein Kinderbuch Peter Pan bekannt. Seine anderen Bücher und Theaterstücke hingegen kennt man hierzulande kaum. Der hannoversche Publizist Heiko Postma hat jetzt Barries „Julie Logan“ erstmals ins Deutsche übersetzt. Der Ton der Erzählung ist märchenhaft-behäbig, doch sollte man sich nicht täuschen lassen: Barrie hat seinen Text mit vielen ironischen Fiesheiten (gern gegen die Engländer) garniert. Und wie vertrauenswürdig Adam Yestreen ist, der seine ungeheuerlichen Erlebnisse in einem Tagebuch notiert, bleibt lange unklar.

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Unheimliche Begebenheiten in der Literatur faszinieren Postma, der seine Barrie-Übersetzung mit einem ausführlichen, lesenswerten Nachwort versehen hat, schon lange. Im hannoverschen jmb-Verlag gibt er seit zwei Jahren das „Kabinett der Phantasten“ heraus. Unter den schmalen Bänden, die ungefähr im Monatsrhythmus erscheinen, ist Bram Stokers Geschichte „Draculas Gast“ ebenso wie E. T. A. Hoffmanns „Der Vampyr“ und Charles Dickens’ „Der Signalwärter“. Alle sehr gespenstisch.

J. M. Barrie: „Lebwohl Miss Julie Logan“. Aus dem Englischen übertragen und mit einem Nachwort von Heiko Postma. jmb Verlag. 102 Seiten, 12,80 Euro.

Die Bände aus dem „Kabinett der Phantasten“ kosten jeweils 6 Euro.

12.07.2012
09.07.2012