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Kultur „Fatima“ feiert Premiere in Hannover
Nachrichten Kultur „Fatima“ feiert Premiere in Hannover
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13:50 06.11.2011
Atiha Sen Guptas Theaterstück "Fatima" feiert am Sonntag Premiere in Hannover.
Atiha Sen Guptas Theaterstück "Fatima" feiert am Sonntag Premiere in Hannover. Quelle: dpa
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Hannover

Fatima ist eigentlich eine normale Schülerin. Am Wochenende trifft sie sich mit Freunden, trinkt, raucht und feiert. Doch auf einmal ist alles anders. Als sie aus den Sommerferien zurückkommt, hat sie ihre Haare unter einer Hijab, einem traditionellen moslemischen Kopftuch versteckt. Ihre Freunde reagieren irritiert auf diesen Wandel und streiten sich über die Frage, ob das Tuch ein Symbol der Freiheit oder der Unterdrückung ist. Atiha Sen Guptas gleichnamiges Theaterstück katapultiert den Zuschauer mitten in diese Diskussion.

Es gibt kein Richtig und kein Falsch, der Zuschauer erhält keine einfachen Lösungen, wie man sich in so einer Situation verhält. „Auch ich sehe das Kopftuch ambivalent“, sagte Autorin Atiha Sen Gupta vor der Uraufführung am Sonntag. „Als Frau empfinde ich es als eine Form der Unterdrückung. Ich kann aber auch verstehen, wenn es andere gerne tragen.“

Vielmehr empfinde sie die ganze Diskussion um ein Für oder Wider zu einseitig. „Das Kopftuch wird symbolisch sehr aufgewertet“, sagt die 23-Jährige. Immer wieder würde es benutzt, um Moslems und Nichtmoslems voneinander zu trennen. Dabei sei es für viele einfach nur ein Teil ihrer Identität. Auch ein Verbot der Vollverschleierung wie in Frankreich empfindet sie als falsch. „Ich glaube nicht, dass es Präsident Sarkozy um die Rechte der Frauen ging, als er das Verbot erlassen hat.“ Für sie ist es - bei eigenen persönlichen Vorbehalten - ein rassistisches Signal.

In ihrem eigenen Stück wird das Kopftuch zu einem Symbol des Erwachsenwerdens. „Mit einem Kopftuch fällt man auf. Gerade in der Pubertät, wo so viele versuchen, bloß nicht anders zu sein“. Sich freiwillig auszugrenzen sei für die Londonerin deshalb auch nur eine Maßnahme, damit es nicht andere tun. Atiha Sen Gupta möchte deshalb, dass „Fatima“ nicht nur als ein Stück über Rassismus, Angst vor dem Anderen oder Islamophobie wahrgenommen wird, sondern auch Freundschaft und Identität. „Im Kern geht es darum, was mit einem Freundeskreis passiert, wenn sich ein Mitglied ändert.“ Die besondere Pointe dabei: Fatima selbst ist während des gesamten Stücks nicht zu sehen.

dpa