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21:35 24.06.2014
Von Daniel Alexander Schacht
Kitty Green beim Internationalen Filmfestival in Venedig. Quelle: dpa
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Der hatte das Filmfestival Venedig elektrisiert – auch weil er da Zweifel säte. Denn er enthüllt, dass lange ein recht patriarchalischer Mann diese Bewegung gegen Prostitution und Frauenhandel gesteuert hat. Feministinnen unter männlicher Führung? Und ein Macho als Oberfeminist?

Genug Fragen für einen Abend mit Kitty Green im Literarischen Salon. Doch wie es um das Selbstverständnis der Femen-Frauen steht, wie um die Rolle jenes Viktor Swjatskij, der die Frauen bei einem Casting ausgewählt und trainiert hat – das ist auch nach zwei Stunden Gespräch mit der 28-jährigen Filmdokumentaristin noch durchaus offen. Stattdessen fragt Moderatorin Charlotte Milsch allerlei ab, das seit dem Filmfest in Venedig längst breit erörtert worden ist. So erfährt man noch einmal, wie die Australierin Kitty Green in die Ukraine gelangt ist, wie sie die Femen-Frauen kennengelernt und den Beschluss gefasst hat, ihren Protest zu filmen.

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Doch schon ihr Rollenwechsel von der in die Bewegung eingebetteten zu einer gegen Swjatskij auch verdeckt recherchierenden Dokumentaristin wirft Fragen auf: Hat sie das Vertrauen der Femen-Frauen missbraucht, vor allem filmische Propagandistin der Bewegung zu sein? Was denken die Frauen von ihrer eigenen Provokationsstrategie, was von Swjatskij?

Kitty Greens Antworten bleiben so vage wie die der Frauen im Film, aus dem im Literarischen Salon Ausschnitte gezeigt werden. Zwiespältig seien die Motive, sagt die Filmemacherin, und Viktors Eingeständnis, durch die Arbeit für Femen auch an Frauen herankommen zu wollen, sei „scary“, unheimlich also. Und dass die Bewegung trotz – wiederum fragwürdigen, aber im Gespräch nicht hinterfragten – Fundraisings heute mittellos sei, liege „vielleicht“ daran, dass der Mann sich mit Geld in die Schweiz abgesetzt haben könnte. Nicht nur hier sollte man sich mit einem „vielleicht“ allerdings nicht zufriedengeben, sondern nachfragen.

Ohne eine Frage aus dem – nach einer Stunde schon ein wenig ausgedünnten – Publikum hätte man auch nicht erfahren, was Kitty Green heute treibt. Sie arbeitet wieder in der Ukraine, aber nicht mehr über die Femen-Bewegung. Hat die etwas bewirkt, etwa weniger Prostitution? „Ich zweifele“, sagt sie nach langem Zögern. Jedenfalls aber finde dieses Problem dort jetzt mehr Aufmerksamkeit. Die wünscht man sich auch bei der Vorbereitung eines solchen Gesprächsabends.

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