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Kultur Fette Hupe im Freizeitheim Lister Turm
Nachrichten Kultur Fette Hupe im Freizeitheim Lister Turm
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20:31 19.10.2014
Gelunger Auftakt: Mit Fette Hupe beginnt die Jazzwoche in Hannover.
Gelunger Auftakt: Mit Fette Hupe beginnt die Jazzwoche in Hannover. Quelle: Küstner
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Hannover

Die 18 Musiker entfachten nicht weniger als ein Jazz-Inferno – man konnte Sorge haben, dass Stuck vom Deckengewölbe abplatzt. Aber der Konzertsaal im Freizeitheim Lister Turm hielt dem akustischen Angriff stand, ebenso wie die rund 200 Besucher des Konzerts. Das Ensemble um Dirigent Jörn Marcussen-Wulff spielte die extra für dieses Programm komponierte Suite „History of Distance“. Es erzählt die Geschichte einer Fernbeziehung: Marcussen-Wulffs Freundin lebte ein Jahr lang in den USA, und der Dirigent hat seine innere Zerrissenheit während dieser Zeit in die Suite hineinkomponiert.

Auftakt zur 23. Jazzwoche: Fette Hupe groovt im Lister Turm.

Tempowechsel, Dissonanzen, Schwermut und Leichtigkeit in schneller Folge – die fette Hupe verlangt dem Publikum einiges ab. „Das Stück ist teilweise gewagte Kunst, und es hat uns einen Riesenspaß gemacht, zu sehen, dass die Leute darauf ansprechen“, sagte Marcussen-Wulff nach dem Konzert. Am Abend zuvor hatte das Ensemble in Berlin gespielt, nun genossen die 18 Musiker ihr Heimspiel in Hannover sichtlich. Unterstützt wurde die fette Klangkulisse von den Improvisationstänzerinnen Annette Roggatz, Inken Fago und Wiebke Burckhardt. Mit bis zu zehn dicken Reifenschläuchen behängt wälzten sich die drei Tänzerinnen zuckend langsam durch den Saal zur Bühne. So viele Reifen, und trotzdem kommen sie so langsam voran. Im zweiten Teil der Suite schmachtet eine E-Gitarre sehnsüchtig auf der Bühne, und die Tänzerinnen verwickeln sich in ein weißes Vlies, während die Jazzklänge hinter ihnen immer verzweifelter werden.

Schwere Kost für Jannis, sollte man meinen. Iveta Weide hat ihren achtjährigen Sohn mit in das Konzert genommen, doch Jannis genießt das Spektakel in vollen Zügen und strahlt über das ganze Gesicht. „Jetzt spielen die Frauen auf der Bühne Gespenster“, sagt er und zeigt auf die Tänzerinnen, die sich im meterlangen weißen Vlies winden. „Vorher, mit den vielen Reifen, waren sie Schildkröten.“ So ist das mit der Kunst: Jeder macht sich seinen eigenen Reim darauf.

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