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Kultur Fettes Brot, fette Party - Hip-Hopper rocken Hamburg
Nachrichten Kultur Fettes Brot, fette Party - Hip-Hopper rocken Hamburg
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14:27 11.12.2010
Die Hip-Hop-Band Fettes Brot beim Auftritt in Hamburg. Quelle: dpa

Es ist ein Heimspiel, das Publikum jubelt bereits vor Konzertbeginn. Nachdem die Band einen flotten Sound vorgibt und ein Bläser-Trio Fanfaren schmettert, zählen die Herren des Abends auf Plattdeutsch vor: „Een, twej, drej“. Dann stehen sie auf der Bühne - Fettes Brot. Die Menge tobt, eine Stimmungssteigerung scheint an diesem Freitagabend in Hamburg schon nach zwei Minuten unvorstellbar. Kein Wunder, dass das Hamburger Hip-Hop-Trio kürzlich als bester deutscher Live-Act des Jahres ausgezeichnet wurde.

„Nordisch By Nature“ heißt die erste Nummer des Abends und versetzt die 13.000 Zuschauer in Stimmung. Der Song stammt aus dem Jahr 1995, 15 Jahre später ist Hip-Hop in Deutschland keine Beschäftigung für Vorstadtjungs mehr, sondern eine etablierte Musikart wie Rock, Pop oder Schlager. Dass Fettes Brot mit ihren humorigen Reimen daran maßgeblich beteiligt sind, wissen sie genau.

Langsam gehen Doc Renz (Martin Vandreier, (36), König Boris (Boris Lauterbach, 36) und Björn Beton (Björn Warns, 37) auf die 40 zu, dennoch halten sich die drei Herren mit Weisheiten zurück. „Das Leben ist kein Ponyschlecken“, ulken sie - erwachsen sind sie bis heute nicht geworden. Für diesen Schülerhumor liebt sie ihr Publikum.

Während Rapper wie Sido oder Bushido ihre Musik als Antwort auf das harte Leben auf der Straße vorführen, nehmen Fettes Brot es leichter. Mit Liedern wie „Jein“, „An Tagen wie diesen“ oder „Emanuela“ thematisieren sie vor allem Unbeschwertes, statt Aggressionsausbrüchen machen sie sich lieber über sich selbst lustig.

„Wie heißt eure Lieblingsband?“, fragen sie. „Fettes Brot“, schallt es aus tausenden Kehlen zurück. Die Combo beherrscht das Spiel vor großem Publikum. Immer wieder dirigieren sie Sprechchöre und Laola-Wellen. Bei der ruhigen Nummer „Yasmin“ bitten sie ihre Zuschauer, die erleuchteten Handys hochzuhalten. Die Halle verwandelt sich in ein glitzerndes Lichtermeer. Wer schon einmal auf einem ihrer Konzerte gewesen sei, wollen sie wissen. Jubel brandet auf. „Seid ihr stehen geblieben seit dem letzten Mal, oder was?“, ruft König Boris zurück.

Für Irritationen sorgt die Neckerei nicht. Fettes Brot wissen, dass sie in Hamburg quasi vor Freunden spielen - alle drei Musiker stammen aus dem benachbarten Kreis Pinneberg, wo sie sich 1992 gegründet haben.

Derzeit sind die Musiker auf Abschiedstournee durch Deutschland. Mitte November kündigte die Gruppe eine Schaffenspause auf unbestimmte Zeit an, um sich anderen Dingen zu widmen. „Der Rummel ist uns zu viel geworden“, teilen sie auf ihrer Internetseite mit. Das letzte Konzert der Tour wollen sie am 16. Dezember in Dortmund geben.

Ihr Programm ist darum ein Querschnitt aus alten und neueren Liedern der vergangenen fast zwanzig Jahre. Mit dem Rio-Reiser-Song „Ich bin müde“ bringen sie ihre Stimmung auf den Punkt. Nach zwei Zugaben gehen sie von der Bühne und tauchen als Live-Übertragung auf der riesigen Videowand hinter der Bühne auf, um aus ihrer Garderobe beim Bierchen zu singen. Für „Schwule Mädchen“ kommen sie noch einmal auf die Bühne. Da sind sie aber gedanklich schon ganz woanders.

dpa

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