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Kultur Fettes Brot in der AWD-Hall in Hannover
Nachrichten Kultur Fettes Brot in der AWD-Hall in Hannover
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23:50 07.12.2010
Von Uwe Kreuzer
Drei Brote auf Sockeln in Hannover. Quelle: Frank Wilde

Man soll ja aufhören, wenn’s am schönsten ist. Die drei von Fettes Brot – Dokter Renz, König Boris und Björn Beton – sind erst Mitte 30. Aber kann’s für eine deutschsprachige Hip-Hop-Kapelle (die Fantastischen Vier mal ausgenommen, aber die sind längst keine Hip-Hop-Band im eigentlichen Sinne mehr) noch besser kommen? Am Sonnabendabend waren die Brote in Hannover. AWD-Hall. 5600 Zuschauer. Ausverkauft.

Schon als das Licht ausgeht, tobt die Halle. Der Gitarrist der Begleitband stimmt das Riff der Bandhymne „Nordisch by Nature“ an, der Bass pumpt – die Fans kennen kein Halten mehr. Von der ersten Minute an wird gehüpft, und das Hamburger Trio hält die Stimmung am Brodeln, unterstützt von seiner formidablen Band. „Bettina, zieh Dir bitte etwas an“, auf dem „Strom und Drang“-Album wegen der vielen Elektronik etwas monoton, wird live zur Abgeh-Nummer. Die Band um Gitarrist Pascal Finkenauer mischt harten Funk mit präzisen Beats, das Bläsertrio bringt den Soul mit, und die Raps der Hamburger sitzen punktgenau. Der einzige, der nicht tanzt, ist ein armer Kerl, der mit Krücken zum Konzert gekommen ist: Das Mitleid der Umstehenden ist ihm sicher.

Aber auch er hatte Spaß an dem Konzert. Das Publikum – zwischen zwölf und 45 – kennt die unzähligen Hits der Band längst auswendig und grölt bei „Schieb es auf die Brote“, „Da draußen“ und „An Tagen wie diesen“ mit. Nichts ist synthetisch an diesem Auftritt, trotz der vielen Samples, Fettes Brot und ihre neun Musiker erzeugen ein Livegefühl wie eine Rockband. Selbst nicht ganz so bekannte Stücke wie das aktuelle „Kontrolle“ kommen an, und zum Schluss wird’s bombastisch: Fettes Brot spielen am Stück ihre wohl erfolgreichste Single „Emanuela“, das famose Steve-Miller-Cover „The Grosser“ und „Jein“ – seit der Veröffentlichung vor 14 Jahren ein Klassiker des neuen deutschen Liedguts. Die Fans feiern, als gäbe es kein Morgen. Stimmt auch ein bisschen, schließlich wollen sich die Jungs in eine kreative Pause verabschieden. Ein Übermorgen gibt’s dann wieder.

Aber dann ist irgendwie die Luft raus. Als Zugabe gibt es, mäßig beklatscht, das recht frische „Amsterdam“ und das anscheinend programmatische Rio-Reiser-Cover „Ich bin müde“. Eine weitere Zugabe wird nicht allzu vehement gefordert, was soll auch jetzt noch kommen? Ach ja – „Schwule Mädchen“! Das Publikum steht noch einmal Kopf, aber dann ist wirklich Schluss. Fans der ersten Stunde vermissen Old-School-Hits wie „Silberfische in meinem Bett“ und Kurioses wie „Nicolette Krebitz wartet“, aber eigentlich sind alle zufrieden. Die angekündigte Pause der Brote wird hoffentlich nicht allzu lang. Auch wenn’s grad so schön war.

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