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Kultur Magisch und morbide: „Das Geheimnis von Neapel“
Nachrichten Kultur Magisch und morbide: „Das Geheimnis von Neapel“
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05:01 15.08.2018
Rätselhaft: Adriana (Giovanna Mezzogiorno) liebt diesen Mann. Aber wer ist er wirklich? Andrea (Alessandro Borghi) oder ein ganz anderer? Quelle: Foto: Prokino
Hannover

In einem Interview hat Sophia Loren mal gesagt: „Ich komme nicht aus Italien, ich komme aus Neapel.“ Das trifft es ziemlich genau: Neapel ist eine eigene Welt. Schon geografisch hat die Stadt eine spezielle Position zwischen dem grauschwarze Lava ausspuckenden Vesuv und den Phlegräischen Feldern, aus denen giftige Gase und gelblicher Staub entweichen.

Ein anderes Neapel wird heraufbeschworen

Dieses Neapel beschwört Regisseur Ferzan Özpetek nun in seinem mysteriösen Krimi. Er zeigt nicht das pittoreske Touristen-Neapel oder das unter Camorra-Herrschaft ächzende, sondern eine ganz andere Stadt – dunkel schillernd, voller Lebenslust und Melancholie, Leidenschaft und Leid.

Es beginnt wie eine gewöhnliche Liebesgeschichte. Bei einer avantgardistischen Theateraufführung in einer luxuriösen Privatvilla treffen sich die Blicke der Gerichtsmedizinerin Adriana (Giovanna Mezzogiorno) und des ausgesprochen virilen Andrea (Alessandro Borghi) – ein Mann von erstaunlicher Direktheit: „Hast du morgen schon was vor?“, fragt er die Unbekannte bei der Party nach der Aufführung. Auf ihr „Warum?“ folgt die lapidare Erklärung: „Weil wir die Nacht zusammen verbringen werden.“

Und was für eine Nacht: Der Regisseur inszeniert die Ekstase zweier Körper, eine Symbiose der Lust, Sinnlichkeit pur. Für Andrea soll dies mehr als ein One-Night-Stand sein. Er will die Geliebte wiedersehen und sie ihn auch. Doch dann erscheint er weder zum vereinbarten Rendezvous am nächsten Nachmittag im Archäologischen Museum noch antwortet er auf ihre Telefonanrufe.

Regisseur Özpetek pfeift auf Krimi-Konventionen

Einen Tag später folgt der Schock: Andreas verstümmelte Leiche liegt auf Adrianas Seziertisch. Sie erkennt ihn am Tattoo. Die Spur führt ins Kunstfälschermilieu und ins Großbürgertum Neapels. Aber auch die Gerichtsmedizinerin selbst gerät ins Fadenkreuz der Ermittler, weil Nacktfotos auf Andreas Handy sie verdächtig machen.

Wer nun ein Whodunit-Konzept erwartet mit folgerichtiger Aufklärung des Verbrechens, der irrt. Der aus der Türkei stammende und schon seit 43 Jahren in Rom lebende Regisseur pfeift auf Genre-Kategorien, er mischt souverän Lovestory und Psychothriller, Mystery und Melodram. Dabei vernachlässigt er eine klare Narration, setzt auf Atmosphäre, Intuition, Gefühle. Sein Interesse gilt nicht allein dem rationalen Strang des Krimis, sondern genauso den traumatischen Verwicklungen der Heldin und ihrer Einsamkeit.

Giovanna Mezogiorno trägt den Film wunderbar leicht

Eine weitere Hauptrolle spielen Magie und Morbidität dieser Stadt mit ihren Gassen und verborgenen Plätzen, historischen Orten, die alte und neue Geheimnisse bewahren und hineinziehen in ein Reich der Imagination. Ihrer Fantasie scheint auch Adriana zu folgen, als sie einen Mann trifft, der so aussieht wie der Verstorbene und dann auch noch behauptet, dessen Zwillingsbruder zu sein. Die Affäre mit ihm birgt gefährliche Rätsel. Folgt sie einer Chimäre oder einer realen Person?

Hauptdarstellerin Giovanna Mezzogiorno trägt den Film wunderbar leicht, schrappt ganz knapp am Wahn entlang, klammert sich an das Prinzip Hoffnung. Rettung kommt vom Kriminalbeamten Antonio (Biagio Forestieri), der sich in sie verliebt und ihr unbekümmert Einblick ins Beweismaterial gibt. Das Ende verwirrt, passt aber zu dieser unergründlichen Stadt, über der ein Schleier liegt, der manches verbirgt.

Von Margret Köhler / RND

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