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Kultur Filmkritik zu „Dem Horizont so nah“ – Mr. Perfect hat ein Geheimnis
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Filmkritik zu “Dem Horizont so nah” - Mr. Perfect hat ein Geheimnis

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18:02 08.10.2019
Vertraute Zweisamkeit am Lagerfeuer: Danny (Jannik Schümann) und Jessica (Luna Wedler).

Jessica kann ihr Glück beim ersten Date kaum fassen: Luxuslimousine, französisches Essen, romantische Eichendorffzitate unterm nächtlichen Sternenhimmel – Danny (Jannik Schümann) hängt sich echt rein, um ihr Herz zu erobern. Verdammt hübsch ist er auch noch und verdient gutes Geld als Unterwäschemodel. Aber wie so manche geübte Leserin zeitgenössischer, romantischer Literatur schon bald ahnt: Wenn ein Kerl so perfekt daherkommt, lauern irgendwo tief drin in diesem Luxuskörper seelische Abgründe.

Hier nun sind es nicht sadistische Lustfantasien wie in „Fifty Shades of Grey“ oder eine heimliche Vampirexistenz a la „Twilight“, sondern eine deutlich realistischere Problemlage. „Mein Leben ist in Wirklichkeit eine echte Katastrophe“ sagt der vermeintliche Mr. Perfect schon bald und empfiehlt der angehenden Geliebten ganz weit weg zu rennen, solange sie es noch könne.

Dieses Angebot schlägt eine durch und durch optimistische, lebenslustige Persönlichkeit wie Jessica (Luna Wedler) natürlich in den Wind. „Wir haben alle Zeit der Welt“ sagt sie zu Danny, als der sich nicht so recht auf ihre schwer verliebte Annäherungen einlassen will. „Eben nicht“ antwortet dieser und lässt nach knapp 45 Filmminuten die Katze aus dem Sack: Nicht nur eine düstere Kindheit, in der er vom Vater misshandelt und sexuell missbraucht wurde, sondern auch eine HIV-Infektion bringt er als Ballastgepäck mit in die Beziehung ein.

Nach ersten schockierten Reaktionen ist Jessica dennoch fest entschlossen, diese Liebe auch ohne Ewigkeitsversprechen zu leben. Autorin Jessica Koch, die in ihrem Romandebüt autobiografische Erfahrungen verarbeitet hat, brachte es mit über 500.000 verkauften Exemplaren zu beträchtlichem E-Book-Bestseller-Ruhm.

Die Verfilmung von Tim Trachte, der mit Frühwerken wie „Abschlussfahrt“ und „Vampirschwestern 3: Reise nach Transsilvanien“ nicht gerade zu den Hoffnungsträgern des deutschen Kinos gehört, versucht hier eine deutsche Version von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ in Szene zu setzen.

Aber dafür fehlt es der Vorlage doch beträchtlich an lebensphilosphischer Tiefe und dem Regisseur an der notwendigen Herzschmerzsensibilität. Ohne Gespür für Zwischentöne geht Trachtes plumpe Inszenierung immer in die tragisch-romantischen Vollen. Dabei bewegen sich gerade die emotionalen Ausbrüche Jannik Schümanns hart an der Grenze zur unfreiwilligen Komik.

Weit darüber hinaus wagt sich die pseudoromantische Soundtracksoße, die sogar den Foreigner-Gassenhauer „I Want to Know What Love Is“ mit einschließt. Einziger Lichtblick: Luna Wedler, die schon in „Das Schönste Mädchen der Welt“ überzeugte und eine emotionale Authentizität versprüht, wie sie diese Routineschmonzette nicht verdient hat.

Kinostart in Deutschland: 10. Oktober 2019

Deutscher Titel: „Dem Horizont so nah“

Regie: Tim Trachte

Darsteller: Luna Wedler, Jannik Schümann

Filmlänge: 109 Minuten

Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Von Martin Schwickert

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