Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur In Disneys Reich
Nachrichten Kultur In Disneys Reich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:27 05.03.2014
Von Stefan Stosch
Harte Verhandlungen: Walt Disney (Tom Hanks) und P. L. Travers (Emma Thompson)
Harte Verhandlungen: Walt Disney (Tom Hanks) und P. L. Travers (Emma Thompson) Quelle: Walt Disney Pictures
Anzeige
Hannover

Der Knackpunkt sind die Pinguine. Solch komische Vögel kann nicht einmal Märchen-Onkel Walt Disney dressieren, sondern nur animieren. Zeichentrick jedoch, diese „lächerlichen Cartoons“, hat sich P. L. Travers verbeten, wenn ihr Kinderbuch „Mary Poppins“ je den Weg auf die Leinwand finden soll. Deshalb ist Disney in den Augen der Schriftstellerin ein Betrüger. Ihr Dienstmädchen Mary Poppins mit dem Regenschirm nimmt sie erst mal wieder mit nach London und lässt Disney in seinem Gute-Laune-Imperium zurück. Doch so schnell gibt der sich in John Lee Hancocks Komödie „Saving Mr. Banks“ nicht geschlagen.

Tom Hanks spielt in „Saving Mr. Banks“ den legendären Walt Disney. Er versucht die Buchautorin P.L. Travers zu überreden, seiner Verfilmung von Mary Poppins zuzustimmen.

Den Showdown eines jahrelangen Duells um die Verfilmungsrechte von „Mary Poppins“ bekommen wir vorgeführt: der smarte Herr über die Micky Maus gegen die grantelnde Dame, der Vermarkter von Kinderträumen gegen die auf ihr Werk pochende Autorin. Und weil die Protagonisten von einer wunderbar zickigen Emma Thompson und einem herrlich jovialen Tom Hanks gespielt werden, wird daraus eine lohnende Begegnung.

Duell in Hollywood

■ Vergnügliche, wenn auch geschönte Komödie

■ Cinemaxx

„Saving Mr. Banks“ ist nun aber eine Disney-Produktion. Wie viel vom wahren Wesen des Onkel Walt wir zu sehen bekommen, ist eine andere Frage. Der Studiochef tritt auf als Charmeoffensive in Person. Und was ist mit Walt Disney, dem Frauenhasser? Oder dem knallharten Studioboss?

Die Drehbuchautorinnen behaupten, das Disney-Studio habe ihnen nicht reingeredet. Dafür verwies Meryl Streep, die kürzlich eine Laudatio auf ihre Kollegin Thompson hielt, auf Disneys zweifelhaften Ruf. Er sei ein Antisemit mit „rassistischen Neigungen“ gewesen.

Bei Hancock („Blind Side“) ist Disney der große Menschenversteher. 1964 brachte er schließlich die Geschichte in die Kinos. Der Film gewann fünf Oscars. Travis soll ihn weniger geschätzt haben. Ein paar Zeichentrick-Pinguine tanzen auch darin herum.

Kultur Literaturhaus - Das Dilemma
Daniel Alexander Schacht 05.03.2014
Kultur Politisch verfolgter Künstler - Neue Initiative für Ai Weiwei
05.03.2014
Kultur Frank Schätzing und „Breaking News“ - „Ich liebe Action und Eskalation“
08.03.2014