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00:23 26.04.2014
In „Transcendence“ ist Johnny Depp als Flachbildschirm zu sehen. Quelle: Tobis
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Hannover

Die Grenzen zwischen Körper und Technik geraten in Fluss – zumindest in den utopischen und dystopischen Entwürfen des Kinos, in denen das immer enger werdende Verhältnis der User zu ihren digitalen Endgeräten weitergedacht wird. Gerade erst erzählte Spike Jonze in „Her“ eine Liebesgeschichte zwischen Mensch und Betriebssystem. Nun steht auch in Wally Pfisters Regiedebüt „Transcendence“ eine solche Liebesbeziehung im Zentrum.

Allerdings ist das Wesen, zu dem die Wissenschaftlerin Evelyn (Rebecca Hall) in emotionale Abhängigkeit gerät, keine anonyme Stimme aus dem Cyberspace, sondern die digitale Reinkarnation ihres verstorbenen Ehemannes.

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Die Wissenschaftlerin Evelyn (Rebecca Hall) verliebt sich in die digitale Reinkarnation ihres verstorbenen Ehemannes Will (Johnny Depp).

Will Caster (Johnny Depp) war eine Koryphäe auf dem Gebiet künstlicher Intelligenz. Er träumte davon, das Wissen der Menschheit auf einem gigantischen Server zu vernetzen. Als er Opfer eines Attentats von radikalen Technologiekritikern wird, gelingt es Evelyn, den Hirninhalt des genialen Gatten hochzuladen. Die Folgen für diesen Film sind bedenklich: Nach 30 Kinominuten ist Johnny Depp nur noch im Flachbildschirmformat zu sehen.

Schon bald fordert der digitalisierte Forscher mehr Energie, mehr Speicherkapazität und Zugang zu den Datenbanken der Wall Street. Binnen weniger Jahre bauen Evelyn und ihr virtueller Lebenspartner sich in einem heruntergekommenen Wüstenstädtchen ein unterirdisches Hightech-Imperium auf, von dem aus Caster mit modernster Nanotechnologie an der Umgestaltung von Mensch und Umwelt arbeitet.

Regisseur Pfister hat sich bisher als Kameramann von Christopher Nolan verdient gemacht. In seiner ersten eigenen Regiearbeit merkt man deutlich die Spuren dieser langjährigen Zusammenarbeit. Aber die Verschränkung von großem Unterhaltungskino und intelligentem Subtext, die bei Nolan so unaufdringlich gelingt, will hier nicht funktionieren.

Natürlich bedient der Zukunftsentwurf mit der Übernahme des menschlichen Geistes durch einen allmächtigen Superserver eine klassische Angstfantasie der technologieverliebten Gesellschaft. Aber Pfister verfranst sich über 119 Kinominuten in immer neue Steigerungsformen der vielversprechenden Grundidee. Dabei verliert die Geschichte zunehmend an Glaubwürdigkeit und wird schließlich selbst zum Technologieopfer. Denn Pfister ist mehr in die fluiden Möglichkeiten digitaler Bildproduktion verliebt als in die Charaktere, die sein Szenario bevölkern.

Eine Ikone wie Johnny Depp die meiste Zeit nur als Skype-Version seiner selbst zu zeigen, ist ein durchaus gewagtes Unterfangen – und die große Liebe zwischen Evelyn und ihrem virtuellen Ehemann bleibt eher Behauptung. Die blassen Nebenfiguren dienen nur als Stichwortgeber für eine Filmhandlung, die vorhersehbar auf eine große Schlacht zwischen digitaler Allmacht und menschlichem Überlebenswillen hinausläuft.

Das Ergebnis dieser Konfrontation wird auch noch in einem Prolog vorweggenommen, in dem sich der Erzähler durch eine enttechnisierte Welt bewegt, wo alte Laptops als Türstopper benutzt werden, teure Smartphones achtlos verstauben und die Menschen ohne Strom zurechtkommen müssen – eigentlich ein viel interessanteres Setting, in dem man sicherlich eine spannendere und konzentrierte Geschichte erzählen könnte als es dieses enttäuschende Regiedebüt vermag.

Mensch trifft auf digitale Allmacht:

Prima Idee, schwache Show.

Cinemaxx, Cinestar, Cinemotion

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