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Kultur Fiona Apple präsentiert neues Album
Nachrichten Kultur Fiona Apple präsentiert neues Album
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09:42 21.06.2012
Von Hannah Suppa
Foto: Kauzig mit emotionaler Tiefe: Fiona Apple.
Kauzig mit emotionaler Tiefe: Fiona Apple. Quelle: Sony
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Hannover

Das muss man sich erst einmal leisten können. Sieben Jahre für zehn Songs, das sind sieben Monate für je fünf Minuten Musik. Doch vielleicht ist Fiona Apple gerade wegen ihrer Öffentlichkeitsabstinenz eine der wichtigsten Musikerinnen der USA: Sie gewann für den Song „Criminal“ und das Album „Tidal“ einen Grammy. Sie hat Hymnen für Generationen von Kunstwissenschaftsstudentinnen geschrieben und schwebt mit ihrem Jazz-Art-Pop locker über allen sonstigen popkulturellen Strömungen. „Der einzige Grund, warum es bei mir sieben Jahre dauert, ist, weil ich einfach keinen Plan habe“, sagt die 34-jährige Künstlerin. Und das klingt aufrichtig.

Ihr Plattenlabel Sony hat sich inzwischen davon verabschiedet, Hörbares von Apple vorgelegt zu bekommen. Und so fängt die Sperrigkeit des vierten Albums gleich beim Titel an (einmal Luft holen): „The Idler Wheel Is Wiser than the Driver of the Screw and Whipping Cords Will Serve You More than Ropes Will Ever Do“ Immerhin 67 Wörter weniger als der bei der zweiten Platte „When the Pawn ...“.

So wie es in den Musikabteilungen der Kaufhäuser die Abteilungen „Easy Listening“ gibt, so müsste für Fiona Apple „Uneasy Listening“ erfunden werden. Es ist Arbeit, sich durch das Album zu kämpfen. Man kann es nicht halb hören, nicht mal eben reinschnuppern. Das ist Musik zum Hinsetzen, zum Booklet aufklappen, die alten Sennheiser-Kopfhörer rauskramen und sich konzentrieren, um die Schönheit zu erfassen.

„The Idler Wheel ...“ ist reduziert und minimalistisch, statt Piano steht die Percussion im Vordergrund, auch weil Apple das Album mit Schlagzeuger Charley Drayton produziert hat. Mal sind es kleine Trommelwirbel, dann donnernde Pauken oder ein einfaches Geklopfe auf dem Holztisch. „Daredevil“ und „Periphery“ sind solche Stückwerke: Die leisen Drums bleiben lange im Ohr, das abgehackte Klavier ist passgenau darauf ausgelegt, Apple legt darauf noch ihre tiefe Stimme. Die 34-Jährige nutzt sie als Teil der Percussion: wechselt von Flüstern zum Crescendo, schreit, bellt, haucht liebevoll ins Ohr, singt die weisen Worte mal melodiös, dann wieder rhythmisch gestückelt. In „Regret“ entlädt sich Wut und Groll in der Stimme, und das heisere Gebell wirkt einschüchternd. „Anything We Want“ ist dann wieder zuckersüß. Zum Ende gibt es die Belohnung fürs Durchhalten: „Hot Knife“, der mehrstimmige Kanon mit Apples Schwester - ein lockerer Liebesreigen.

Fiona Apples Songs sind die einer kauzigen, einsamen Frau mit emotionaler Tiefe. Apple lebt in L.A., aus dem Haus geht sie nur, wenn der Hund sein Geschäft erledigt. Und so bleibt auch dieses Album ein Geheimnis. Und es macht süchtig. Fiona Apples Rhythmus ist selbstbewusst und in sich ruhend: So soll es sein, das ist zu hören. Da machen auch sieben Jahre Wartezeit nichts.

Fiona Apple: „The Idler Wheel...“, Sony

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